Diese Bibliothek sammelt den Sound von Orgasmen

Damit will sie dumme Porno-Klischees beseitigen.
orgasmsoundlibrary.com
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Wir haben jetzt nicht jede erotische Filmszene gesehen und erst recht nicht jeden Porno, aber wir sind uns trotzdem ziemlich sicher, dass weibliche Orgasmen dort immer recht ähnlich klingen – und recht selten so, wie im richtigen Leben. Das klingt banal, hat aber größere Auswirkungen auf unser Sexleben, als man glauben könnte. Das will jedenfalls ein spanischer Erotikartikelhersteller herausgefunden haben, der dazu fast 1500 Landsleute (Frauen und Männer zwischen 18 und 55 Jahren) interviewte (hier die Ergebnisse der Studie als Pdf).

42 Prozent der befragten Männer glaubten, dass die Frau beim Orgasmus automatisch anfängt, laut zu stöhnen, und zwar rhythmisch – so wie im Porno eben. 

Ist aber nicht so. Die "Orgasm Sound Library" zeigt, dass echter Sex ziemlich facettenreich klingt. Eine Agentur und die Sextoyfirma rufen Frauen nun dazu auf, anonym Tondateien eines Orgasmus hochzuladen.  Visualisierungen der Sounds unterstreichen, wie groß die Bandbreite der Geräusche ist, die Menschen auf dem Weg zum Höhepunkt so machen.

Die Vorgaben auf der Webseite sind streng: "Wir wissen, dass du keine Maschine bist, aber die Aufnahme sollte am besten zwischen 15 und 45 Sekunden lang sein", zusammen mit der Ermahnung: "Bitte nur Sounds, die du aufgenommen hast, als du ganz alleine warst."

Das Archiv stößt auf großes Interesse: Die ersten hundert Orgasmen hatten AdWeek zufolge bereits 110.000 Zuhörer. Es geht dabei sicher nicht nur um rein wissenschaftliche Interessen, sondern auch um Werbung – und ein bisschen Voyeurismus. Aber:  Die Orgasmus-Sound-Bibliothek dürfte die Vorstellungen, die Pornos uns einpflanzen, etwas entzerren, und das kann ja eigentlich nur gut sein, für beide Geschlechter. 

Wider die Porno-Klischees

Es ist nicht dass erste Mal, dass ein Projekt im Netz sich mit dem menschlichen Orgasmus beschäftigt: 2012 hatten auch ziemlich viele hingesehen, als der New Yorker Clayton Cubitt für eine Videoserie Frauen filmte, die Literatur vorlasen und dabei unterm Tisch (das sah man nicht) zum Orgasmus gebracht wurden. Die Aktion richtete sich gegen Pornofizierung, spielte aber natürlich auch mit der Lust am heimlichen Beobachten.

Ähnliches versucht ein anderes Projekt schon seit 2003. Für "Beautiful Agony" sollen sich Menschen beim Orgasmus filmen und das Video ins Netz stellen (es ist keine Nackheit zu sehen, allerdings die Gesichter der Teilnehmer). Die Orgasmus-Sound-Bibliothek kann vermutlich auf größere Beteiligung hoffen, schließlich ist sie ganz anonym.

Der Aufklärungsbedarf ist offenbar enorm: Zusätzlich zur Umfrage führte die spanische Sexspielzeugfirma noch ein Experiment durch. 30 Männern und Frauen wurden Porno-Orgasmen vorgespielt. 60 Prozent hielten sie für echt. 

 

fran

 

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