"Gewalt gegenüber Kindern widert mich an"

Auf Reddit spricht ein Student offen über seine Pädophilie.
Von Quentin Lichtblau
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Illustration: Jessy Asmus

Wenn vom "Deckmantel der Anonymität" im Netz die Rede ist, sind meistens ja deren schlechte Seiten gemeint. Hasskommentare, Cybermobbing, Gewaltdarstellungen und auch: Kinderpornografie.

Dass die Anonymität aber auch Raum für Diskussionen schaffen kann, die in der realen Welt so wohl nie zustande kämen, beweist Reddit mit seinen AMA-Threads ("Ask me Anything"). Denn neben Berühmtheiten wie Barack Obama, Wyclef Jean oder Madonna stellen sich dort auch immer wieder Menschen der Öffentlichkeit, denen man ohne den Schutz der Anonymität wohl kaum begegnen, geschweige denn ein Loch in den Bauch fragen würde. So begrüßte in der vergangenen Woche ein User namens "Wandtapete93" das Netzwerk mit den folgenden Worten:

"Ich bin ein Pädophiler, 22 Jahre alt. Student. Für mich steht außer Frage, dass ich niemals meine Neigung werde ausleben können. Bei Interesse beantworte ich gerne noch zwischendurch mal ein paar Fragen."

Die darauf folgenden Fragen der Reddit-Nutzer gingen dabei auch sofort hin zu sehr intimen Details, wie etwa den genauen "Vorlieben" des Pädophilen. Überraschend dabei: Die Diskussion bliebt fast durchgehend sachlich, "Schwanz ab!"-Kommentare waren nicht zu finden:

  • Was ist für dich das ideale Alter, wenn es um Schönheit und Sexappeal geht?

  • Stehst du auf kleinere Kinder, egal welchen Geschlechts oder nur auf ein bestimmtes Geschlecht?

  • Was war ausschlaggebend für dich, dass du mit 100 Prozent Sicherheit sagen konntest, ein Pädophiler zu sein?

  • Einige würden Pädophilie als heilbare Krankheit bezeichnen. Was meinst du dazu?

  • Wie ist es für dich persönlich als Pädophiler, im öffentlichen Raum unterwegs zu sein? Schaut man da gerne paar Kindern hinterher, so wie ein Mann einer Frau nachsieht?

  • Wandtapete93 beantwortete alle Fragen mit schonungsloser Offenheit. Seine Präferenz läge bei sechs bis 16-Jährigen, ausschließlich Jungen. Beim Pornoschauen in seiner Jugend habe er erstmals gemerkt, dass ihn andere Dinge erregen, als erwachsene Frauen. Seine Störung empfände er als "Fehlvernetzung im Hirn", er sähe keine Chancen auf Heilung. Einen Therapeuten brauche er aber nicht, da er sich selbst gut unter Kontrolle habe und niemals ein Kind unsittlich anfassen würde. Gewalt gegen Kinder widere ihn an. Und ja, auch in der Öffentlichkeit schaue er manchmal Jungen hinterher, er fände daran aber auch nichts Verwerfliches.

    Natürlich kann man diese Aussagen durchaus kritisch sehen. Das fängt schon bei den Fragen an, allein das Wort "Sexappeal" wirkt im Kinder-Kontext mehr als unpassend. Und auch der Unwillen seitens des Pädophilen, seine Störung in einem therapeutischen Rahmen behandeln zu lassen, wirkt angesichts seiner ansonsten so reflektierten Haltung zu seinem Problem eher störrisch.

     

    Es lässt sich nicht abschließend überprüfen, ob da tatsächlich ein 22-jähriger Pädophiler schreibt. Und natürlich kann niemand beurteilen, ob dieser seine Störung wirklich zu 100 Prozent unter Kontrolle hat. Trotzdem sind offene Gespräche wie die Reddit-AMAs ein guter Weg, um ein Thema wie Pädophilie aus der reinen Kinderficker-Monster-Kastrations-Ecke zu holen und Betroffenen eine Möglichkeit zur Aussprache zu geben. Und vielleicht ermutigen die Gespräche auch andere, den "Deckmantel der Anonymität im Netz" hinter sich zu lassen und sich professionelle Hilfe zu suchen, bevor sie selbst oder andere Menschen unter ihrer Störung leiden müssen.

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