Tinder verbindet sich jetzt mit Spotify

Man kann sich also über den Musikgeschmack finden – und den Unternehmen viele neue Daten schenken.
Von Melanie Wolfmeier

Tinder befindet sich ab sofort in einer Beziehung – und zwar mit Spotify. Ein "Perfect Match" nennt der Musikstreaming-Dienst den Zusammenschluss, der es den Nutzern der Dating-App noch leichter machen soll, einen passenden Partner zu finden. Statt wie bisher nur über Bilder  jetzt auch noch über Musikgeschmack. Und wie immer: Indem man den Unternehmen noch mehr Daten von sich gibt – also noch gläserner wird.

Im Prinzip ist die Verknüpfung optional und kann über die Einstellungen auf Tinder aktiviert werden. Auch ohne einen Account bei Spotify kann man aber seine aktuelle "Anthem" auf sein Profil pinnen. "Anthem", erklärt Marcel Grobe, Leiter der Spotify-Pressestelle in Deutschland, "lässt sich mit Hymne übersetzen, und ist der aktuelle Lieblingssong des Nutzers, der ihn vielleicht auch am besten beschreibt." Oder, wie es auf der US-Spotify-Homepage heißt: "Es ist dieser eine Song, der deine Geschichte erzählt." Der aber jederzeit wieder geändert werden kann, wie Grobe betont.

Hat man sich also für den aktuellen Track seines Lebens entschieden, kann man als Spotify-User noch einen Schritt weitergehen: Das eigene Datingpotential lässt sich dadurch steigern, dass durch die Verknüpfung zum Musikstreaming-Dienst die eigenen Top-Künstler auf dem Tinder-Profil angezeigt werden. Andere Nutzer können diese Musik anhören. Sollten sie keinen Premium-Account haben, geht das allerdings nur 30 Sekunden pro Titel. Nach dem Abspielen der Preview werde einem jedoch die Möglichkeit zu einem Upgrade angeboten, sagt Grobe.

Mehr Geld, größere Chancen

In voller Länge kann man die Tracks also nur anhören, wenn man für Spotify auch zahlt. Das Bezahlen hat noch einen Vorteil: Früher ergaben zwei Rechtswischer ein Match. Jetzt ergeben zwei Rechtswischer und zwei Spotify-Premium-Account-Verlinkungen mit Tinder ein Musik-Match. Zumindest dann, wenn auf der Favoritenliste der zwei User mindestens ein gleicher Künstler auftaucht. Marcel Grobe: "Dadurch ergibt sich nicht nur ein mittelinteressantes, sondern auch noch ein musikalisches Match."

Das Feature bleibe ansonsten natürlich werbefrei. Und auch die Musikrechte wandern nicht einfach zu Tinder weiter, sondern bleiben bei Spotify, erklärt der Leiter der Pressestelle. Was man sich dadurch erhoffe? Den Millennials die Nutzung von Musik in ihrer Freizeit weiter zu erleichtern, sagt Grobe. Denn schließlich seien diese auch die wichtigste Zielgruppe.

Töne + Daten = Amors Pfeil

 

Als Tinder-Nutzer weiß man nun also im Vorhinein, ob sich hinter einem smart lächelnden Typen nicht etwa doch ein Xavier-Naidoo-Fan versteckt. Und das sei wichtig, meinte Tinder-Gründer Sean Rad im Interview mit der Zeit: "Es gibt eine Vielzahl soziologischer Studien darüber, wie sehr Musik die Persönlichkeitsmerkmale widerspiegelt. Wenn Menschen einen ähnlichen Musikgeschmack haben, dann haben sie oft auch ähnliche Interessen." Und Rad fährt fort: "Wir wollen diese Daten erfassen, um unseren Nutzern noch bessere Empfehlungen zu geben."

 

Was quasi im Wortlaut die Begründung ist, mit der auch alle anderen Großkonzerne die Daten ihrer User wollen.

 

 

Was das unter anderem bedeuten kann, erzählen wir hier:

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