AfD-Veranstaltung an der Uni Magdeburg endet in Schlägerei

Ein Böller fliegt, der Vortrag wird von der Polizei beendet. Mittendrin: der AfD-Landeschef.
Von Max Sprick und Patrick Wehner
krawalle uni magdeburg

Krawalle im Hörsaal der Uni Magdeburg.

Foto: Eroll Popova

Gendermainstreaming, das ist ein „geselliger Zeitvertreib für Leute ohne Probleme“. Schreibt zumindest die Jugendorganisation der AfD Sachsen-Anhalt. Am Donnerstagabend wollte sie in einem Hörsaal der Uni Magdeburg über das Thema „Gender an der Uni?!“ diskutieren. Der Vortrag sollte die erste Veranstaltung der Magdeburger Campus-Alternative sein – sie ist ein Ableger der Jungen Alternative, mit dem die Rechten Einfluss auf die Hochschulen gewinnen wollen. Ein Biologieprofessor sollte reden. Über die "verschieden tickenden Gehirne von Männern und Frauen", wie auf dem Plakat der Veranstalter steht. Und eben auch der AfD-Landeschef André Poggenburg. Zu beidem kam es gar nicht erst, stattdessen mussten Poggenburg und seine Kollegen von 30 bis 40 Polizisten aus dem Saal geführt werden. In Poggenburgs Richtung flog ein Böller,  vor seinem Rednerpult gab es gewalttätige Auseinandersetzungen und laute Sprechchöre in Richtung Podium. „Hau ab!“ und „Nazis raus!“ skandierten die etwa 400 Besucher auf den dicht besetzten Rängen und pfiffen in Trillerpfeifen.  

Bereits vor der Veranstaltung hattte der Studierendenrat der Universität Magdeburg zu einer eigenen Veranstaltung aufgerufen, zwei Stunden vor dem Gender-Vortrag im gleichen Hörsaal. Als Widerspruch zu der Campus-Alternative-Veranstaltung, die „tendenziös“ und „provokativ“ sei, sprach Dr. Sandra Tiefel, die zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Uni.

Dass die direkt darauf folgende AfD-nahe Veranstaltung nicht ganz konfliktfrei ablaufen würde, war also absehbar. Auch die Uni hatte sich darauf eingestellt, dass es Kritik an der AfD geben könnte. „Es sind alle Vorkehrungen getroffen, die Polizei ist informiert“, hatte Uni-Sprecherin Katharina Vorwerk der Mitteldeutschen Zeitung im Vorfeld gesagt. 

Warum die Situation trotzdem eskalierte, als Poggenburg auf die Bühne trat, ist unklar. Die ausgebuhten und verhöhnten AfDler behaupten, die Demonstranten  seien zuerst gewalttätig geworden. "Das ist die linke Vereinnahmung der Uni", sagte Poggenburg der Lokalzeitung Volksstimme. Dass die Veranstaltung auf diese Weise blockiert werde, sei ein "Lehrstück für fehlendes Demokratieverständnis".

Von Seiten der Universität sieht man das wiederum ganz anders: "Die Unmutsäußerungen der Studierenden und Besucher waren so eindeutig, dass ich glaube, vernünftige Veranstalter hätten sich zurückgezogen und hätten es dabei belassen", sagte Michael Dick, Dekan der Fakultät für Humanwissenschaft, dem MDR. Die Organisatoren der Vorlesung hätten es offenbar darauf angelegt, einen gewissen Aufruhr zu erzeugen, so Dick. Dahinter stecke "natürlich kein inhaltliches, sondern ein politisches Motiv". 

Auf Facebook- und Twitter-Videos, die offenbar von oberen Rängen gefilmt wurden, sieht man drei Demonstranten  mit einem weißen Banner vor Poggenburgs Bühne entlanglaufen – unter Anfeuerungsrufen und Jubel aus dem Publikum. Zwei Männer ohne Haupthaar treten ihnen entgegen und versuchen, das Banner runterzureißen. Dann kommen weitere Männer hinzu und setzen ihre Fäuste ein. „Plötzlich warf ein Unbekannter einen Böller in Richtung des Podiums, der zum Glück niemanden traf oder verletzte.“ In mehreren Medienberichten hieß es zunächst, Poggenburg sei von dem Feuerwerkskörper verletzt worden. Das dementierte die Polizei jedoch gegenüber jetzt

 

Ein Sprecher der Polizei sagte zudem, es werde derzeit noch ermittelt, wer die gewaltsame Auseinandersetzung begonnen hat. Seit gestern seien fünf Strafanzeigen eingegangen, zwei davon seien von AfD-Anhängern wegen gefährlicher Körperverletzung gestellt worden.

 

Offenbar rechnete zumindest AfD-Landesvorsitzender André Poggenburg mit möglichen Auseinandersetzungen. Er hatte Beobachtern zufolge an dem Abend Sicherheitspersonal mit dabei.

 

 

 

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