„Rechte Terroristen machen Jagd auf uns“

Nach dem Anschlag in Hanau fordern viele Menschen ein Umdenken in der Politik und Gesellschaft.
Zusammengestellt von Sophie Aschenbrenner und Katharina Steinhäuser

Foto: Heiko Hahnenstein /AFP / Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

In der Nacht zum Donnerstag sind bei einem rechtsradikalen Terroranschlag neun Menschen getötet worden, darunter viele Menschen mit ausländischen Wurzeln. Der mutmaßliche Täter Tobias R. und seine Mutter wurden am Morgen tot aufgefunden. 

Viele fordern jetzt, Rassismus und rechtem Terror endlich konsequent zu begegnen. Wir haben People of Color  gefragt, was sie sich von Politik und Gesellschaft wünschen:

Nhi Le, Journalistin und Moderatorin:

„Marginalisierte wie auch Expert*innen warnen seit Jahren vor rechtsradikalem Terror. Vor allem Betroffene fühlen sich mit ihren Belangen allein gelassen. Es muss endlich eingesehen werden, dass wir in Deutschland ein Problem mit Rechtsradikalismus haben. Was wir brauchen, ist die Verfolgung und Auflösung von rechtsradikalen Netzwerken, auch in Behörden und ein größeres gesellschaftliches Interesse an der Problematik.“

Amina Yousaf, SPD-Politikerin: 

„Ich möchte nicht mehr, dass ‚Zeichen gesetzt‘ werden, ich will, dass endlich gehandelt wird. Eine Menschenkette gegen rechts wird uns, die wir von anderen als fremd bezeichnet werden, die vermeintlich nicht dazugehören, obwohl viele von uns in Deutschland geboren, aufgewachsenen und sogar die Staatsbürgerschaft haben, nicht schützen. Migrantenselbstorganisationen, Antifastrukturen und Menschen, die von Rassismus in Deutschland betroffen sind, weisen seit Jahren darauf hin, dass es zunehmend Gewalt von rechts gibt. Bislang wurde viel zu wenig getan. Mich beeindruckt ernsthaft, wie klar Angela Merkel es schafft, die Tat als rassistisch zu benennen. Jetzt müssen aber diesen Worten auch endlich Taten folgen.“

Mohamed Amjahid, Autor: 

„Aber ich würde mir wünschen, dass wir in Deutschland endlich über Rassismus und rassistisch motivierte Gewalt so sprechen können, dass sich die Mehrheit dabei nicht beleidigt fühlt. Es ist nicht nur wichtig, diese tiefgreifenden, rassistischen Strukturen in der deutschen Gesellschaft offenzulegen, für Minderheiten ist es überlebensnotwendig.“

Asal Dardan, Kulturwissenschaftlerin und Autorin:

„Ich möchte gerade nicht hören, was Herr Soundso von der AfD oder der Werteunion zurechtbiegt, damit es in sein Weltbild passt. Menschen sind ermordet worden, weil sie in einem Land leben, das sie nicht schützt. Schutz fängt allein damit an, dass sie zu diesem Land gezählt werden.“

Cihan Sinanoğlu, Soziologe: 

„Wir klagen den rassistischen Terror in diesem Land an. Wir klagen alle Brandstifter*innen in Medien und Politik an, die durch ihre rassistische Hetze die Täter*innen in ihrem Hass bestärkten. An alle, die Rassismus relativieren, herunterspielen und leugnen: Seht nach Hanau.“

Max Czollek, Autor: 

Hanau, elf Tote, rechtsextremes Motiv. Ignoriert jetzt mal, was die Hufeisensöhne und -töchter sagen werden. Und macht euch stattdessen klar, was da draußen gerade passiert! Rechte Terroristen machen Jagd auf uns. Und der Staat gibt 'nen Scheiß. Oder hab ich was nicht mitbekommen?“

Düzen Tekkal, Journalistin und Aktivistin: 

„Als Reaktion auf Hanau wünsche ich mir einen gesellschaftlichen Konsens aller DemokratInnen: Trauer und Anteilnahme. Klare Benennung & Ablehnung rechtsextremer Ideologie. Forderung nach Konsequenzen. Waffenfunde bei und Terrornetzwerke von Neonazis dürfen nie wieder Randnotiz sein. “

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