Künstler schickt Kreuze an bayerische Behörden – mit der Aufhängung unten

Denn in der Verordnung steht ja nicht, wie genau man das Kreuz aufhängen soll.

Die Kreuze kommen mit Aufhängeanleitung – praktisch!

Foto: Darren Cullen

Eigentlich müsste die Aktion des britischen Künstlers Darren Cullen ganz  im Sinne der CSU sein: Am Tag des Inkrafttretens der Kreuz-Verordnung hat er 40 bayerischen Behörden Kreuze geschickt, inklusive Anleitung zum Aufhängen. Praktisch für all die Einrichtungen, die gerade nicht wissen, wo sie auf die Schnelle noch ein halbwegs hübsches Kreuz herbekommen sollen.

Der Clou allerdings: Im beiliegenden Brief gibt sich Cullen als Markus Söder aus, das Kreuz sei eine „Aufmerksamkeit des Ministerpräsidenten“. Und die Aufhängung des Kreuzes befindet sich nicht über Jesus' Kopf, sondern unter dessen Füßen. Satanismus! Das dürfte Söder zwar nicht gefallen, widerspricht aber nicht seiner Verodnung: Schließlich steht in ihr nur, dass das Kreuz „gut sichtbar“ anzubringen sei. Und hat nicht Oliver Platzer, Sprecher des Innenministeriums, gesagt, dass die Leiter der Behörden ihr Kreuz so aufhängen dürften „wie sie es für richtig halten“?

Foto: Darren Cullen

Der 35-jährige Cullen, der seine politische Kunst auch schon in Banksys Anti-Disneyland „Dismaland“ ausgestellt hat, will seine Aktion nicht als anti-christlich verstanden wissen. Söder habe ja selbst gesagt, schreibt Cullen in einer E-Mail an jetzt, dass es sich bei dem Kreuz nicht um ein religiöses Symbol handele. Er wolle den Christen in Bayern lediglich zeigen, „wie es wäre, wenn der Staatsapparat sich feindlich gegenüber der eigenen Kultur verhält“, und Mitgefühl mit den Menschen erzeugen, die sich eben nicht zur dominanten, christlichen Kultur zählen können.

Finanzielle Unterstützung erhielt er dabei von der Aktivistengruppe „Satanic Temple London & UK“, die ebenfalls mit satanistischen Motiven spielt, um Themen wie die Trennung von Staat und Kirche, Glauben und Wissenschaft zu behandeln. „Regierungen müssen säkular sein, sonst können sie nicht die Gesellschaft repräsentieren“, findet Cullen. Maßnahmen wie die Kreuz-Verordnung trügen zu einer „vergifteten Rhetorik gegenüber muslimischen Einwanderern, die wir in Deutschland und ganz Europa beobachten“ bei. Im April war Cullen für eine Artist Residence in München und erfuhr dort von der neuen Verordnung.

Foto: Darren Cullen

Cullen selbst ist Atheist. Er sei allerdings katholisch erzogen worden, bis zum Teenageralter Ministrant gewesen. Was verbindet er mit dem Kreuz als Symbol? „Mich hat immer fasziniert, dass die Darstellung eines Menschen, der zu Tode gefoltert wird, sich zu einem der beliebtsten Symbole der Menschheitsgeschichte entwickelt hat. Dass Leute zum Beispiel darunter heiraten, das ist schon faszinierend.“

qli

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