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Foto: Ursula Düren / dpa

Das ist...

... Ali Can, 24 Jahre alt und Begründer des unfassbar erfolgreichen Hashtags #MeTwo, unter dem Menschen mit Migrationshintergrund ihre erschütternden Erfahrungen mit Rassismus im Alltag veröffentlichen. Innerhalb von kürzester Zeit wurde der Hashtag zum Erfolg, minütlich kommen neue Tweets dazu, die meisten zeigen, wie alltäglich Rassismus in Deutschland ist:

Warum Ali diesen Hashtag in der Nachfolge des Özil-Rücktritts erfand, erklärte er in einem Video: „Ich habe einen Migrationshintergrund und den sieht man mir an. Was man mir aber nicht glauben will: dass ich für demokratische Grundwerte einstehe. Auch ich wurde schon oft diskriminiert. In der Disko wurde ich nicht reingelassen, bei der Wohnungssuche oder in sozialen Medien. #MeTwo ist der neue Hashtag gegen Diskriminierung von Minderheiten.“

Ali erklärt die Bedeutung des Hashtags: Die Zwei stehe dafür, dass er mehr als nur eine Identität habe. Er fühle sich in Deutschland zu Hause, sei aber auch dem Land seiner Eltern verbunden. Diese Mehrfach-Identität sei nichts Negatives für die deutsche Gesellschaft, sondern wertvoll. „Die deutsche Gesellschaft ist keine Monokultur“, sagt Ali.

Der kann ...

... auch auf Hass mit Geduld und Sympathie antworten. Ali Can hat schon 2016 die „Hotline für besorgte Bürger“ gegründet. Die Idee kam ihm, als er zu Pegida-Veranstaltungen nach Ostdeutschland reiste, um dort mit den sogenannten besorgten Bürgern ins Gespräch zu kommen und ihnen so womöglich unbegründete Sorgen und Ängste abzunehmen.

Ausdrücklich werden auf seiner Website Pegida-Teilnehmer und AfD-Wähler aufgefordert, sich zu melden und ihre Gedanken mitzuteilen. Es sei nicht Ziel der Hotline, Anrufer von einer anderen Meinung zu überzeugen. Vielmehr wollen Ali und sein Mitstreiter ihre eigene Meinung zur Diskussion stellen und gemeinsam mit den Anrufern Antworten auf die Probleme finden. Zudem hat Ali den Friedensverein „Interkultureller Frieden e.V.“ gegründet, der auf der Überzeugung beruht, dass nur durch Kommunikation Integration möglich ist. Man merkt: Ali geht es um Dialog. Ums Zusammenwachsen der Gesellschaft. Zur Not auch mit ungewöhnlichen Mitteln.

Der kommt ...

... aus Gießen, wo er Deutsch und Ethik studiert und hält Workshops und Vorträge zum Thema „Interkulturelle Kompetenz“. Alis Familie stammt ursprünglich aus dem Südosten der Türkei. Er ist der älteste Sohn einer immigrierten kurdisch-alvitischen Familie, die Mitte der Neunzigerjahre in Deutschland Asyl suchte, weil sie in ihrer Heimat diskriminiert wurde. Damals war Ali zwei Jahre alt.

Der geht ...

... seinen beeindruckenden Weg weiter. Momentan plant Ali gemeinsam mit anderen Engagierten das „VielRespektZentrum“ in Essen. In den Räumen in der Essener Innenstadt soll Menschen, die sich für Vielfalt und Respekt einsetzen, Arbeitsplätze und Seminarräume gestellt werden. Zudem soll es an dem überkonfessionellen Ort Workshops, Beratung und Ausbildung von Friedensstiftern geben.

Wir lernen daraus

... dass man auch mit einfachen Mitteln Großes bewirken kann. Schon jetzt, zwei Tage nach Start des Hashtags, hat sich etwas geändert: Häufig wird über Migranten gesprochen – jetzt kommen sie selbst zu Wort und berichten von ihren alltäglichen Erlebnissen. Durch die Masse dieser Mikro-Beobachtungen entsteht ein Bild von unserem Land, in dem es anscheinend immer noch vollständig normal ist, Kindern mit Migrationshintergrund die schlimmsten Dinge anzudrohen und Menschen aufgrund ihrer Herkunft massiv zu diskriminieren.

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