Das ist... Éric Drouet, der den Élysée-Palast stürmen will

Er ist ein Sprecher der „Gelben Westen“, die seit Wochen in Frankreich demonstrieren.
Von Sophie Aschenbrenner

Éric Drouet ist einer von denen, die die Gelbwesten initiiert haben.

Foto: Christophe Petit Tesson/EPA-EFE

Das ist...

... Éric Drouet, ein 33-jähriger Lastwagenfahrer aus Frankreich. Er war es, der die Franzosen auf Facebook dazu aufgerufen hat, gegen die hohen Spritpreise und Emmanuel Macrons geplante Steuererhöhung auf Benzin und Diesel zu demonstrieren. Aus den Demonstrationen wurde die Bewegung der „gilets jaunes“, der „Gelben Westen“. Sie nennen sich so, weil sie die gelben Warnwesten tragen, die man im Auto mit sich führen muss. Die Gelben Westen haben acht Sprecher gewählt, Eric Drouet ist einer von ihnen. Eigentlich bezeichnet er sich als apolitisch. Drouet gehört zur Muster Crew, einem Netzwerk von Auto- und Tuning-Fans.

Der kann...

... Macron ganz schön unter Druck setzen. Seit Wochen hält die Bewegung das Land in Atem. Bei Demonstrationen in Paris und anderen Städten gehen Zehntausende auf die Straße. Sie wenden sich nicht nur gegen die von Macron geplante und mittlerweile auf Eis gelegte Steuererhöhung, sondern insgesamt gegen Macrons Politik. Das Ungewöhnliche: Hinter der Bewegung steht keine Partei und keine Gewerkschaft, die Teilnehmenden sind extrem heterogen.

Das ist nicht einfach: Marine Le Pen, Chefin von „Rassemblement National“, versucht, die Gelbwesten für sich zu vereinnahmen – eine offizielle Distanzierung von der rechtsradikalen Politikerin gibt es bisher nicht. Außerdem sind einige der Gelben Westen gewaltbereit. Zwar demonstrieren die meisten von ihnen friedlich. Doch es kam, unter anderem vergangenen Samstag in Paris, auch zu regelrechten Straßenschlachten, hunderte Menschen wurden verletzt. Vermummte setzten Autos und Geschäfte in Brand, randalierten mit Äxten und Metallstangen in der Pariser Innenstadt. Polizisten gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Demonstranten vor.

Drouet und seine Mitstreiter haben auch schon einiges erreicht. Präsident Emmanuel Macron hat sich dem Druck der Gelbwesten innerhalb von drei Wochen gebeugt und die Steuererhöhungen auf Benzin und Diesel für das gesamte Jahr 2019 ausgesetzt. Ursprünglich war die Erhöhung für den Jahreswechsel geplant. Doch Macrons Entgegenkommen genügt Drouet und seinen Mitstreitern nicht.

Der kommt...

... aus Melun, einer 40.000-Einwohner-Stadt südöstlich von Paris, etwa eine Stunde mit dem Auto von der französischen Hauptstadt entfernt. Éric Drouet hat eine kleine Tochter. Wie viele Franzosen, die auf dem Land leben, ist er direkt von der geplanten Spriterhöhung betroffen. In den ländlichen Gebieten ist die Infrastruktur oft schlecht, die Menschen sind auf das Auto angewiesen, um in den Supermarkt oder auf die Arbeit zu kommen. Dass sie dafür jetzt auch noch durch steigende Preise „bestraft“ werden sollen, empfinden viele als unfair.

Der geht...

... Richtung Élysée-Palast. Den will er am morgigen Samstag stürmen. „Das ist das Symbol der französischen Regierung“, sagt der 33-Jährige auf Nachfrage eines Journalisten des französischen Senders BFMTV. Einen genauen Plan gibt es augenscheinlich noch nicht. „Wenn Sie beim Palast sind – was wollen Sie dann machen?“, fragt der Reporter in der Sendung. Drouet antwortet nur: „Dann wollen wir rein, um angehört zu werden.“ Französische Medien vergleichen die Pläne mit einem Putsch.

Paris wird sich daher am Samstag wohl im Ausnahmezustand befinden. Nicht nur der Élysée-Palast wird höchste Sicherheitsvorkehrungen treffen. Auch Museen und Touristenmagneten wie der Louvre, das Musée d’Orsay und der Grand Palais bleiben aus Sicherheitsgründen wahrscheinlich geschlossen, ebenso wie der Eiffelturm – zu gefährlich. Die Polizei rät Läden und Restaurants auf den Champs Élysées auch, am Samstag nicht zu öffnen.

Daraus lernen wir...

... was das Internet möglich macht. Drouet mobilisiert vor allem über Facebook und über Videos, die er aus seinem Lastwagen heraus aufnimmt und über Facebook Live und YouTube teilt. Er gründete die Facebook-Seite „La France en colère“ (etwa: Frankreich ist wütend). Dort tauschen sich die Gelbwesten aus und organisieren ihre Proteste. In der Gruppe zeigt sich auch, wie heterogen die Bewegung ist. Immer wieder kursieren krude Verschwörungstheorien. Außerdem ist Drouet zurzeit ein gern gesehener Gast im französischen Fernsehen.

Nur Google weiß...

...wie moderat oder nicht-moderat Éric Drouet wirklich ist. In einem seiner Videos heißt Drouet die Ausschreitungen auf den vergangenen Demonstrationen nicht gut: „Mit dieser Gewalt werden wir nicht dahin kommen, wo wir hin wollen, die Regierung wird nicht reagieren“, sagt er. „Ich rufe nicht zum Hass auf, sondern dazu, dass wir unsere Bewegung friedlich weitergehen.“ Dass er nur durch Gewalt in den Regierungspalast eindringen kann, dürfte ihm gleichzeitig selbst klar sein.

Das ist nicht das erste Mal, dass Frankreich auf die Straße geht:

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