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Die SPD hat jetzt einen „Grokomat”

Zwei Münchner Parteimitglieder haben die Entscheidungshilfe für ihre zerstrittenen Genossen ins Netz gestellt.
  • groko wahlomat cover
    Foto: dpa / Jens Wolf

Du kaust seit Wochen auf der Frage, ob du die Groko nun gut findest oder nicht? Ob du dich von einer Regierung aus SPD und Union vertreten fühlst? Du bist vielleicht sogar SPD-Mitglied, hast aber noch keine Ahnung, wie du beim Mitgliederentscheid abstimmen sollst? Kein Problem! Seit Montag steht nämlich der Grokomat online. Ein Tool, das dem Wahl-O-Mat ähnelt und mit dem du über 22 Thesen abstimmst. Am Ende spuckt dir der Grokomat dein Ergebnis aus, zack, Entscheidung getroffen.

Na gut, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Das Tool ist auch nicht dazu gedacht, den SPD-Genossinnen und –Genossen die Wahl abzunehmen. Sondern: „Wir wollten den Leuten einen Leitfaden geben, an dem sie sich bei ihrer Entscheidung orientieren können“, sagt Marian Misch. Der 29-Jährige sitzt für die SPD im Bezirksausschuss 2 der Stadt München. Er hat den Grokomat zusammen mit dem Kommunikationswissenschaftler und SPD-Politiker Bernhard Goodwin entwickelt. Marian sagt: „Wir wollten bei der Diskussion um die große Koalition wieder zurück zu den inhaltlichen Fragen kommen.“

Deshalb die 22 Thesen zu Themen wie Pflege, Bildung, Rente oder der EU. Die Macher haben sich zum einen an Inhalten orientiert, die die SPD traditionell beschäftigen. Zum anderen zielen sie auf Fragen, die während der Verhandlungen zum Koalitionsvertrag besonders kontrovers diskutiert wurden.

„Der Grokomat“, steht auf der Homepage, „ist eine neutrale Plattform, die helfen soll, den Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD zu bewerten“. Trotzdem sind die Thesen sehr meinungsgefärbt, zum Beispiel die Erste: „Die Erfahrungen aus der letzten Legislaturperiode zeigen, dass die Union ein unzuverlässiger Partner ist. Dies ist erneut zu erwarten.“ Marian  Misch sagt: „Elf Thesen sind eher für die Groko, die anderen elf eher gegen sie formuliert.“ Nachdem sie die Thesen formuliert haben, seien diese gemischt und in zufälliger Reihenfolge zusammengestellt worden. „Wir wollten bewusst plakative Sätze schreiben, die dazu anregen, über sie nachzudenken. Das ist besser, als fleischlos zu formulieren.“

Nachdem Marian über die Thesen im Grokomat abgestimmt hatte, wurde er in seiner Meinung bestätigt: contra Groko. „Ich glaube, dass die strategische Ausrichtung eine Katastrophe ist. Wenn man am Wahlabend sagt, dass man in die Opposition geht, muss man auch dazu stehen.“ Bis zum 2. März können über 460.000 SPD-Mitglieder per Brief an die SPD-Parteizentrale über den Koalitionsvertrag abstimmen.

jwh 

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