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Foto: Screenshot

Die junge Schwedin Elin Ersson wurde im Sommer plötzlich zu einer Ikone des zivilen Ungehorsams: Sie hatte die Abschiebung eines Afghanen verhindert, indem sie sich weigerte, im Flugzeug Platz zu nehmen. Dadurch konnte das Flugzeug nicht abheben. Dabei filmte sie sich und streamte das Video live auf ihrer Facebook-Seite. Immer wieder betonte sie in dem Video, dass Afghanistan kein sicheres Herkunftsland sei und ein Asylbewerber, der dorthin abgeschoben werde, mit dem Schlimmsten rechnen müsse.

Nach zwei Stunden, in denen Ersson die Wut einiger Mitreisender auf sich zog, aber auch Solidaritätsbekundungen erlebte, wurde die 21-Jährige Ersson zusammen mit dem afghanischen Asylbewerber aus dem Flugzeug eskortiert. Das Video von ihrer Aktion wurde weltweit geteilt und mehr als fünf Millionen Mal angeschaut. Der Afghane, den Ersson beschützen wollte, wurde wenig später abgeschoben.

Nun hat die Polizei in Göteborg ihre Voruntersuchung abgeschlossen und angekündigt, Ersson anzuklagen wegen der Aktion, die laut einem Sprecher der Polizei „objektiv eine Straftat“ gewesen sei. 

Voraussichtlich wird Ersson wegen eines Verstoßes gegen das Luftfahrtgesetz angeklagt werden. Sollte sie verurteilt werden, droht ihr eine Geldstrafe, möglicherweise sogar eine sechsmonatige Haft. Ersson hat sich bisher nicht zu der bevorstehenden Anklage geäußert. Doch in vielen Interviews hat die junge Aktivisten immer wieder darauf hingewiesen, dass ihr Vorgehen rechtens gewesen sei und dass sie jederzeit wieder zivilen Ungehorsam üben würde, um Menschenleben zu retten.

chwa

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