Immer mehr Stars boykottieren Film- und TV-Produktionen in Georgia

Grund sind die härtesten Abtreibungsgesetze der USA.

Junge Frauen demonstrieren in Atlanta, Georgia, gegen härtere Abtreibungsgesetze.

Foto: AFP/Elijah Nouvelage

Die Diskussion um die Legalität von Abtreibungen ist ein Kampf, der persönlicher nicht sein könnte. Das sieht man derzeit in den USA: Seit Trumps Amtszeit begonnen hat, wurden in mehreren US-Bundestaaten – Alabama, Missouri, Louisiana, Ohio und Georgia – die sogenannten „heartbeat bills“ eingeführt. Das bedeutet, Abtreibungen sollen dort entweder verboten, oder zumindest in der Durchführung so schwierig gemacht werden, dass es faktisch einem Verbot gleichkommt. Das stößt natürlich auch Gegenwehr. Bilder von Frauen, die in den roten Kostümen des dystopischen Hulu-Dramas „A Handmaid's Tale“ protestieren, gehen schon seit Monaten durch die Medien.

Neuerdings protestiert auch ein großer Akteur: die Filmbranche – oder zumindest Teile davon. Das betrifft vor allem den US-Bundesstaat Georgia. Seit spätestens 2016 waren viele Produktionen dorthin gezogen: Grund waren erhebliche Steuervorteile. In 2018 waren in Georgia 92 000 Jobs von der Filmbranche abhängig – 3000 davon allein für die Black Panther Produktion von Marvel.

Netflix kündigte eine Klage gegen die „Heartbeat Bills“ an

Vergangene Woche wurde auch dort ein Anti-Abtreibungsgesetz beschlossen. Als direkte Reaktion darauf kündigte der Streaming-Dienst Netflix an, dass er seine „gesamte Investition“ in Georgia überdenken werde, sollte das Gesetz 2020 tatsächlich in Kraft treten. Auch andere Riesen der Branche, wie Walt-Disney Co., NBCUniversal, WarnerMedia, Sony Pictures, CBS und Showtime, schlossen sich am Wochenende mit ähnlichen Statements an. Viele bezogen sich nicht nur auf Georgia, sondern alle Staaten, die solche solche Gesetze verabschiedet haben. Netflix kündigte sogar eine Klage gegen die sogenannten „heartbeat bills“ an.

Und auch Prominente werden in ihrem Protest deutlicher: Milla Jovovich, Sophie Turner, Jason Bateman, Lena Headey, Sean Penn, Alec Baldwin, Mia Farrow, Kerry Washington, Kravitz, Christina Applegate, Ben Stiller und viele weitere ergreifen auf verschiedenen Social-Media-Kanälen und in Interviews das Wort. Sophie Turner und ihre Kollegin Jessica Chastain sagten beispielsweise dem Sender Sky, dass sie nicht mehr in Staaten arbeiten wollen, die Abtreibung verbieten. Das löste wiederum eine große Kontroverse aus – hatte sie bis vor Kurzem doch selbst noch Nord-Irland gedreht, wo Abtreibungen ähnlich stark reglementiert sind. 

Über 100 Schauspielerinnen und Schauspieler haben das Protestschreiben unterschrieben

Mit losgetreten hat das die Schauspielerin Alyssa Milano – die auch bei der #MeToo-Bewegung den Anstoß gegeben hatte. Über 100 Schauspielerinnen und Schauspieler haben das Protestschreiben von Milano inzwischen unterschrieben.

Es gab auch schon Reaktionen aus der politischen Sphäre in Georgia. Der republikanische Gouverneur Brian Kemp kommentierte den Boykott der Darsteller: „Ich habe mitbekommen, dass eine Leute das neue Gesetz nicht mögen. Das ist für mich ok. Wir sind gewählt worden, um zu tun, was richtig ist – und für wertvolles Leben aufzustehen, ist immer das Richtige.“ Er fügte hinzu: „Wir schätzen und beschützen unschuldiges Leben – auch wenn das C-Prominente quäken lässt.“

mpu

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