Bürger*innen kaufen Nazis das Bier weg

Und auch sonst war das Rechtsrock-Festival in Ostritz wohl eher ein Flop.

Eine Frau und ein Mann schieben einen Einkaufswagen mit Bierkästen in der Nähe eines örtlichen Supermarktes in Ostritz auf der Straße entlang.

Foto: Daniel Schäfer / dpa

Im Kampf gegen rechts wurde schon so einiges probiert: Demonstrationen, Demonstrationsverbote, ja sogar ganze Holocaust-Mahnmale wurden vor die Häuser von AfD-Politikern gesetzt. So richtig gestoppt hat das die Nazis allerdings in den seltensten Fällen. Umso besser, dass die Bürger*innen des sächsischen Ortes Ostritz nun offenbar eine gewaltfreie Lösung des Problems gefunden haben: Sie trockneten die Nazis einfach aus. 

Eigentlich wurden in Ostritz dieses Wochenende 750 Neonazis zum Rechtsrock-Festival „Schwert und Schild“ erwartet. Auf dem Programm stand dort neben Konzerten auch eine Kundgebung des stellvertretenden NPD-Vorsitzenden Thorsten Heise. Das Bundesamt für Verfassungsschutz schrieb vergangenes Jahr über das Festival: „Musikveranstaltungen wie das ,Schild & Schwert‘-Festival besitzen weiterhin eine herausragende Bedeutung aus Sicht der rechtsextremistischen Szene: So dienen die Veranstaltungen beispielsweise zur Mobilisierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, um sie an die rechtsextremistische Szene heranzuführen und zu binden.“ Tatsächlich sind auf Fotos von dem Festival Menschen zu sehen, die auf ihren T-Shirts stilisiert das Wort „Hakenkreuz“ stehen haben, oder auch ganz unverblümt „Rassist“. 

Dieses Mal erwies sich das Festival aber offenbar als ziemlicher Flop: Der zuvor angekündigte „Kampf der Nibelungen“, eine Art rechter Schaukampf, musste abgesagt werden, da sich nicht genügend Teilnehmer fanden. Die 500 bis 600 Festivalteilnehmer*innen, die laut sächsischer Polizei tatsächlich kamen, mussten dann auch noch ohne Alkohol feiern. Zum Vergleich: 2018 hatten rund 1200 Menschen das Festival besucht, damals fand es allerdings auch parallel zum Geburtstag Adolf Hitlers im April statt.

Bereits am vergangenen Freitag hatte das Dresdner Verwaltungsgericht entschieden, dass auf dem gesamten Gelände kein Alkohol verkauft werden dürfe – die Polizei konfiszierte daraufhin gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk 4200 Liter Bier. Begründet wurde das Alkoholverbot vom Gericht mit dem „offensichtlich kämpferisch-aggressiven Charakters der Veranstaltung“,  der Konsum von Alkohol würde unzweifelhaft die Gefahr von gewaltsamen Auseinandersetzungen weiter erhöhen. 

Damit die Teilnehmer*innen des Festivals sich daraufhin nicht im örtlichen Supermarkt ausrüsten konnten, wurde in einer vom Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal organisierten Aktion auch noch das Bier des örtlichen Supermarktes aufgekauft – mehr als 100 Kisten. Weitere 200 Liter mitgebrachter Alkohol wurden von der Polizei direkt auf dem Festivalgelände eingezogen. 

Im Netz gibt es für die Aktion und das Engagement der Bürger*innen von Ostritz viel Lob:

Für manche der Teilnehmer*innen könnte das Festival noch Konsequenzen haben: So ermittelt die Polizei derzeit gegen den NPD-Funktionär Thorsten Heise – dieser soll in seiner Rede einen Journalisten bedroht haben.

chha/ mit Material von dpa