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Klaas Heufer-Umlauf sammelt Geld für die Seenotrettung

Der Moderator will damit mindestens ein Schiff chartern, um Flüchtenden auf dem Mittelmeer zu helfen.

Nach Jan Böhmermann richtet jetzt auch Klaas Heufer-Umlauf einen ernsten Apell an die Öffentlichkeit. Am Samstagnachmittag veröffentlichte der Moderator ein Video auf Youtube. Darin ruft er auf, Geld für die Seenotrettung zu spenden. Mit diesem Geld soll mindestens ein Schiff gechartert werden, um Flüchtende auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken zu retten.

Er brauche keinen Gerichtsbeschluss, ob das „okay“ sei oder nicht. „In der Sekunde, in der jemand ertrinkt, ist er erst mal jemand, der ertrinkt, und nichts anders und da muss geholfen werden“, sagt Heufer-Umlauf in dem Video. Auf der Crowdfunding-Seite leetchi.com sammelte die Kampagne in wenigen Stunden bereits mehr als 20.000 Euro.

Die Situation an den Außengrenzen Europas nennt er eine Katastrophe. Besonders schlimm sei es auf dem Mittelmeer. „Niemand setzt sich freiwillig in so ein Boot, wenn er genau weiß, da sind zu viele Leute, ich kann selber nicht schwimmen, und das Boot ist auch nicht ganz funktionsfähig“, sagt Heufer-Umlauf. Die Menschen flüchteten vor Perspektivlosigkeit, extremer Armut, Verfolgung und Krieg. Und gleichzeitig säßen viele der ehrenamtlichen Seenotretter mit ihren Schiffen fest oder müssten gar mit Anklagen rechnen.

Damit spielt Heufer-Umlauf unter anderem auf Claus Peter Reisch an, der seit Montag in Malta vor Gericht steht. Dem Kapitän der „Lifeline“ wird unter anderem vorgeworfen, er habe 234 Menschen transportiert, obwohl das Schiff nur für 50 Passagiere zugelassen sei. Außerdem sei es falsch beflaggt, nämlich niederländisch, obwohl es in Holland nicht gemeldet sei. Die „Lifeline“ darf Malta derzeit nicht mehr verlassen, anderen Organisation ergeht es ähnlich.

Vor einer Woche hatte Jan Böhmermann dazu aufgerufen, Geld zu spenden, um Reisch juristisch zu verteidigen. Bis Samstagabend kamen dabei rund 178.000 Euro zusammen. Auch ein Rettungsschiff und ein Aufklärungsflugzeug der deutschen Hilfsorganisation Seawatch werden derzeit auf Malta festgehalten. In Berlin demonstrierten am Samstag deshalb mehrere tausend Menschen. Die Teilnehmer protestierten dagegen, dass Seenotretter im Mittelmeer zunehmend bei ihrer Hilfstätigkeit behindert werden.

Derweil sterben im Mittelmeer immer mehr Flüchtlinge, wie die SZ berichtet. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Jahresbeginn mindestens tausend Menschen ums Leben gekommen. „Es gibt einen alarmierenden Anstieg der Todesfälle vor der libyschen Küste“, sagte der Leiter der IOM-Mission in Libyen, Othman Belbeisi. Die meisten Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, die auf dem Seeweg in die EU gelangen wollen, passieren Libyen. Sie befürchteten, dass Europa demnächst „eine härtere Gangart bei Mittelmeerüberquerungen einlegt“, sagte Belbeisi. Diese Angst nutzten die Schleuser aus.

Heufer-Umlauf appelliert an das Gewissen und die Menschlichkeit seiner Zuschauer: „Selbst, wenn man manchmal den Eindruck hat, dass man recht alleine ist mit dieser Meinung, dass Ertrinkende davor gerettet werden sollten, zu ertrinken, glaube ich, dass es immer noch genug Leute gibt, die es eben nicht so sehen“, sagt er in seinem Video. „Wenn Europa als solches nicht mehr funktioniert, muss man eben Europa selber machen.“

pwe

 

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