Früher war im Sommer mal Sommerpause. Das ist nicht mehr so. Unter anderem, weil der Sommer die Zeit des Jahres ist, in der besonders viele Menschen die Flucht übers Mittelmeer wagen. In den vergangenen Wochen hat sich die Situation zudem dadurch zugespitzt, dass Italien und Malta entschieden hatten, das Rettungsschiff Aquarius mit geflüchteten an Bord nicht anlegen zu lassen, ebenso wiesen sie an diesem Wochenende die spanische Open Arms zurück. Auch die Lifeline, das Schiff einer deutschen NGO, trieb fast eine Woche lang mit mehr als 230 Geretteten und der Crew an Bord auf dem Meer.

Für Jan Böhmenmann ist gerade Sommerpause. Aber auch er scheint der Meinung zu sein, dass es diese Auszeit nicht mehr so richtig gibt. Mit einem Video hat er sich am Freitag aus dem Urlaub (wo er sich befindet, ist als Hinweis im Video versteckt) zu Wort gemeldet, um eine Spendenaktion für einen Rechtsbeistand für die Lifeline zu starten. 

Vergangenen Mittwoch hat die „Lifeline“ nach fast einer Woche auf See in Malta angelegt.

Vergangenen Mittwoch hat die „Lifeline“ nach fast einer Woche auf See in Malta angelegt.

Foto: Darrin Zammit Lupi / Reuters

Zwar durfte das Schiff am vergangenen Mittwoch schließlich in Malta anlegen, doch der Crew drohen rechtliche Konsequenzen. Der Kapitän Claus-Peter Reisch wurde bereits verhört, am Montag soll er vor Gericht gestellt werden. Es geht um Verfehlungen im Zusammenhang mit der Registrierung des Schiffes, sagte der maltesische Anwalt der Mission Lifeline

Innenminister Seehofer, der sich gegen eine Aufnahme von den geretteten  Flüchtlingen aussprach, hat nach Angaben von Mitgliedern des Innenausschusses in einer nicht-öffentlichen Ausschusssitzung ebenfalls gefordert, dass die deutsche Crew zur Rechenschaft gezogen werden müsse. Und der italienische Innenminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega, der die Situation auf dem Mittelmeer für seine politische Agenda nutzt, hat weitere Vorwürfe erhoben, unter anderem Unterstützung von Schleppern, Verschleierung des Standortes und Gefährdung von Menschenleben. Es sei zu erwarten, schreibt die NZZ, dass diese „nicht mit juristischer Sorgfalt“ formulierten Vorwürfe in Malta gerichtlich untersucht würden. 

Für alles, was dem Kapitän und der Crew eventuell bevorsteht, möchte ihnen Jan Böhmermann einen guten Rechtsbeistand ermöglichen. „Rechtsanwälte, je teurer, desto besser, holen dich aus jeder Scheiße raus, und setzen durch, was recht und was richtig ist. Das Problem ist: Sie sind schweineteuer“, sagt er im Video – und seit dem Satire-Streit mit Erdoğan weiß er natürlich, wovon er spricht. Darum will er nun also „sammeln für die schönste und teuerste Verteidigung, die man sich leisten kann“.  Europa sei schließlich immer noch ein Verbund von Rechtsstaaten. Um deutlich zu machen, dass es ihm um die gute Sache und um Gerechtigkeit geht, betont Böhmermann, dass er die Crew der Lifeline nicht kenne: „Ich hab nix mit denen am Hut.“

Mit der Kampagne auf leetchi.com hat er mittlerweile mehr als 63.500 Euro eingenommen (Stand Sonntagmittag). Sie läuft noch bis kommenden Samstag. Wenn Geld übrig bleibt, will Jan Böhmermann  es der Seebrücke spenden, einem Bündnis aus Organisationen und Akteuren aus der Zivilgesellschaft, das sich für legale Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung  und sichere Häfen einsetzt. 

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