Aktivisten schließen U-Bahnhöfe für Obdachlose auf

Die sich sonst sehr cool gebende BVG ist von der Aktion überhaupt nicht begeistert.

U-Bahnstationen sind in Berlin kein Ort mehr, an dem sich Obdachlose nachts zurückziehen und vor der Kälte schützen können – die BVG sperrt seit diesem Jahr fast alle U-Bahnhöfe in der Nacht zu. Nur so könne sie, sagt Pressesprecherin Petra Nelken, die Sicherheit der Obdachlosen sicherstellen. In der Vergangenheit habe es immer wieder Zwischenfälle mit alkoholisierten Personen und Unfälle mit dem Starkstrom der Gleise gegeben. Lediglich die zwei Stationen Lichtenberg und Moritzplatz bleiben für Obdachlose geöffnet, dort stellt die Stadt Toiletten und Sozialarbeiter zur Verfügung.

Die Künstler-Kollektive „Rocco und seine Brüder“ und „Dies Irae“ finden genau diese Situation extrem problematisch und starteten eine umstrittene Aktion. Um Obdachlosen zu helfen, packten sie Carepakete mit Decken, Warnwesten und Essen und brachten sie zu verschiedenen U-Bahnstationen. Was sich außerdem in den Tüten befand: Schlüssel für die verschlossenen Tore der Bahnhöfe. 

Bei der gesamten Aktion haben sich die Aktivisten auch gefilmt – in dem Clip sieht man, wie sie die Pakete packen, sie an mehrere U-Bahnstationen austeilen, die Türen mit den Schlüsseln aufsperren und diese in den Carepaketen für die Obdachlosen zurücklassen. Daraus schneiden die beiden Kollektive ein dokumentarisches Kurzvideo und stellen es am Sonntagabend online.

Die BVG zeigt für die Aktion wenig Verständnis. Pressesprecherin Nelken reagiert aufgebracht: „Die Aktion geht komplett am Thema vorbei. Damit wurde keinem Obdachlosen auch nur ein Stück geholfen.“ Die Obdachlosen könnten nachts weder mit Warnwesten noch einem Kaffeegutschein etwas anfangen. „Hätten sie wirklich helfen wollen, hätten sie die Sozialarbeiter unterstützen oder neue Schlafsäcke kaufen können. Aber es ging den Künstlern nur um reine Selbstdarstellung.“

Das unerlaubte Eindringen in die verschlossenen U-Bahnstationen fand illegal statt, die Künstler begingen damit eine Straftat, die von Videokameras aufgezeichnet wurde. Der Hausfriedensbruch wurde von der BVG bereits zur Anzeige gebracht.

Die Künstlergruppe ist der BVG nicht unbekannt, denn es ist nicht das erste Mal, dass Rocco und seine Brüder mit einer Aktion wie dieser Aufsehen erregen. Bereits 2017 polarisierte das Urban-Art-Kollektiv mit einer illegalen Soundinstallation in den Schächten der U-Bahnhöfe in Berlin. Der Gedanke dahinter: Protest gegen Videoüberwachung.

2016 bauten sie außerdem ein ganzes Zimmer in einen Berliner U-Bahnschacht, um gegen die explodierenden Mietpreise zu demonstrieren. Dass das Künstler-Kollektiv weitere Protestaktionen in Berlins U-Bahnstationen plant, ist also sehr wahrscheinlich – bleibt nur abzuwarten, worum es bei der nächsten geht.

fczy

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