„Dieses Ausmaß an misogynem Hass und Bodyshaming ist widerlich“

Fotos: Nikita Maedge / Kurt Steinhausen / Nils Broeer / Martin Neuhof / Jannis Hutt / Stefan Zeitz, imago / Jan Korte, Thomas Kläber / Daniel Reinhardt / Senatskanzlei Hamburg / Kay Nietfeld/dpa

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Die Politikerin Ricarda Lang ist stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen. Sie trat vor einigen Tagen in der Talk-Show „Hart aber fair“ auf. Danach stand ihr Name auf Platz eins der Twitter-Trends, ein Shitstorm ergoss sich über die 27-Jährige. Hier positionieren sich Unterstützerinnen und Unterstützer gegen Hass und Bodyshaming – und solidarisieren sich damit nicht nur mit Ricarda Lang, sondern mit allen, die im Internet frauenfeindlich angegriffen werden.

„Ich weiß, wie wichtig es in dem jeweiligen Moment ist, dass sich Leute hinter einen stellen“

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Foto: Stefan Zeitz / imago

Sawsan Chebli, SPD-Politikerin

„Es geht nicht darum, wie man Ricarda Langs Auftritt im Fernsehen bewertet und ob man inhaltlich mit ihr mitgeht oder nicht. Über politische Positionen darf und muss gestritten werden – das ist essentiell für unsere Demokratie. Was jedoch immer und überall inakzeptabel und zu verurteilen ist, sind Hass und Hetze. Dieses Ausmaß an misogynem Hass und Bodyshaming, das sich unter dem Hashtag entladen hat, ist widerlich. Hier wurde bewusst die Sachebene verlassen, um Ricarda Lang aufs Übelste zu beleidigen und zu diffamieren. Ich selbst bin ständig Ziel von Gewalt und Hass im Netz und weiß, wie sich das anfühlt und wie wichtig es in dem jeweiligen Moment ist, dass sich Leute hinter einen stellen. Ricarda Lang hat meine volle Solidarität genauso wie wir alle Frauen, die sich Gewalt im Netz ausgesetzt sehen.“

„Vor allem junge Politikerinnen sind oft Ziel rechter Mobs“

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Foto: Jan Korte / Thomas Kläber

Jan Korte, Politiker bei Die Linke

„Dass Menschen wegen ihres Körpers oder ihres Geschlechts angegriffen werden, ist nicht hinzunehmen. Das ist widerlich. Vor allem junge Politikerinnen sind oft Ziel rechter Mobs. Deshalb ist es klar und wichtig, Solidarität zu zeigen.“

„Hater stören sich an einer jungen, grünen und feministischen Frau in der Öffentlichkeit“

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Foto: Martin Neuhof

Nhi Le, Journalistin und Speakerin

„Ricarda Lang hat bei ‚Hart aber fair‘ ihren Job gemacht, ich sehe an ihrem Auftritt nichts Kontroverses. Dass sie jetzt online derart attackiert und angefeindet wird, wundert mich trotzdem nicht – Es ist ja leider nicht das erste Mal. Ich war in der Vergangenheit mit Ricarda bei Veranstaltungen zum Thema Hate Speech, seitdem kennen wir uns auch etwas besser. Hater schießen sich immer wieder auf Ricarda ein, werden frauenfeindlich und bodyshamen. Sie stören sich offensichtlich an Ricarda als junger, grüner und feministischer Frau in der Öffentlichkeit. Das ist etwas, mit dem Ricarda zu kämpfen hat, aber es ist auch ein strukturelles Problem. Das Ziel der Hater ist es, solche Frauen zu attackieren und einzuschüchtern, sodass sie sich aus dem Diskurs zurückziehen – eine gefährliche Praxis, denn natürlich braucht ein offener Diskurs auch Frauen wie Ricarda.“

„Solchen Hass verurteile ich ausdrücklich“

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Foto: Kay Nietfeld/dpa

Paul Ziemiak, CDU-Politiker

„Die Angriffe auf Ricarda Lang aufgrund von Äußerlichkeiten sind abstoßend. Solchen Hass verurteile ich ausdrücklich. Für mich ist es selbstverständlich, bei solchen Angriffen betroffenen Politikerinnen und Politikern von anderen demokratischen Parteien zur Seite zu springen. Das gehört zu einem guten Miteinander in einer Demokratie dazu.“

„Dass Männer, denen die Argumente ausgehen, versuchen, Frauen aus der Debatte zu verdrängen, hat System!“

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Foto: Nikita Mädge

Jakob Blasel, Klimaaktivist

„Ricarda hat es bei ihrem Auftritt geschafft, die Klimaheuchelei der CSU zu entlarven und gerechte Klima- und Sozialpolitik in den Vordergrund zu stellen. Umso mehr haben mich die ekelhaften Beleidigungen gegen ihr Aussehen oder ihr Alter geschockt – auch wenn es natürlich nichts Neues ist. Dass überwiegend Männer, denen die Argumente ausgehen, versuchen, Frauen aus der politischen Debatte zu verdrängen, hat System! Menschen, die nicht selber von Sexismus betroffen sind, können sich wenigstens solidarisieren und aktive Gegenrede leisten.“

„Ich erlebe selbst immer wieder Versuche von Männern, die mich bloßstellen wollen“

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Foto: Kurt Steinhausen

Andrea Schöne, Journalistin, Speakerin und Inklusionstrainerin

„Ich solidalisiere mich mit Ricarda Lang, da ich selbst als freie Rednerin bei meinen Vorträgen und Workshops immer wieder Versuche von Männern erlebe, die mich bloßstellen wollen oder nicht ernst nehmen. Ich bin eine Frau mit Behinderung und auch übergewichtig. Welches Kriterium mehr dafür sorgt, dass versucht wird mich bloßzustellen, kann ich nicht beurteilen. Ich würde mir aber ein Netzwerk von und für Frauen wünschen, um gemeinsame Strategien für solche Situationen zu entwickeln, sich auszutauschen und für diese strukturelle Diskriminierung mehr Öffentlichkeit zu schaffen.“

„Wir sind alle gefordert, das nicht zuzulassen“

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Foto: Daniel Reinhardt / Senatskanzlei Hamburg

Katharina Fegebank, Politikerin bei Bündnis 90/Die Grünen

„Mich macht es wütend, dass wir im Jahr 2021 noch immer erleben müssen, wie Politiker*innen und Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, im Netz immer wieder Hass, Hetze und Frauenfeindlichkeit entgegen schlägt. Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man öffentlich unter der Gürtellinie beschimpft wird. Die aktuellen Angriffe gegen Ricarda Lang sind unerträglich. Derartige, persönliche Angriffe sind weit unter dem Niveau, das ich mir für den politischen Diskurs in unserem Land wünsche. Wie Ricarda jetzt mit diesen Kommentaren umgeht, ist dagegen einmal mehr der Beweis für ihre Charakterstärke und Professionalität. Hass und Hetze, wie sie engagierte, junge Menschen und insbesondere Frauen immer wieder erfahren, haben keinen Platz in unserer Mitte. Denn so wird das gesellschaftliche Miteinander vergiftet. Ziel dieser Angriffe ist es, zu demütigen, verächtlich zu machen und diese Menschen zum Schweigen zu bringen. Das hat nicht selten zur Folge, dass diese sich zurückziehen. Hier sind wir alle gefordert, das nicht zuzulassen.“

„Die Leute, die sie angreifen, setzen sich nicht mit ihren Argumenten auseinander“

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Foto: Jannis Hutt

Felix Schulz, Landessprecher der Linksjugend solid Berlin

„Ricarda gehört zu dem Teil der Grünen, der für eine progressive Politik und linke Mehrheiten streitet – innerhalb wie außerhalb ihrer Partei. Ich kenne Ricarda Lang seit vielen Jahren und schätze sie als eine der fähigsten jungen Politikerinnen des Landes und als eine, mit der es sich ganz hervorragend streiten lässt, sowohl im politischen Gegeneinander als auch für gemeinsame Ziele. Genau das ist der Punkt: Die Leute, die sie in den sozialen Netzwerken angreifen, setzen sich nicht mit ihren Argumenten auseinander, es geht nicht um Kritik – sondern um Selbstaufwertung durch Verletzung. Insbesondere Männer, die zu viel Zeit haben, betreiben Scheinkritik an jungen Frauen im Internet als Hobby, sei es aus narzisstischer Kränkung oder aus Langeweile. Dass man gegen dieses Verhalten über Parteigrenzen hinweg zusammensteht, ist eine absolute Selbstverständlichkeit.“

„Es sind meist rechte Männer, die auf solche Veränderungen mit Hass reagieren“

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Foto: Nils Bröer

Krsto Lazarević, Parlamentarischer Assistent für einen Europaabgeordneten der Grünen

„Menschen wie Ricarda Lang gehört die politische Zukunft in diesem Land. Es sind meist rechte Männer, die das spüren und auf solche Veränderungen mit Hass reagieren. Hass auf alles, was ihnen zu weiblich, migrantisch, links oder grün ist. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns gemeinsam solidarisch gegen diesen Hass stellen.“

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