So haben die jungen Menschen in Österreich gewählt

Würde Sebastian Kurz nur auf sie hören, wäre klar, wie die neue Regierung aussähe.
Von Felix Haselsteiner

Man musste sich am Sonntag nur ein wenig unter jungen Menschen in Wien umhören, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was sich seit der vergangenen Nationalratswahl vor zwei Jahren verändert hatte: Das türkis-blaue Bündnis aus ÖVP und FPÖ war krachend gescheitert, Tausende waren auf die Straße gegangen und nun sollte vor allem eins her: ein Politikwechsel.

Österreich hat diesen Wechsel bekommen. Sebastian Kurz wird zwar erneut Bundeskanzler werden, soviel steht erst einmal fest – 38,4 Prozent sprechen eine eindeutige Sprache. Ein erneutes Bündnis mit der nun abgestraften FPÖ (17,3 Prozent) scheint nach den Eindrücken aus dem politischen Wien recht unwahrscheinlich, ein Bündnis mit der SPÖ (21,5) oder den Grünen (12,4) ist auf der anderen Seite diesmal möglich. Der Ball liegt jetzt bei Sebastian Kurz – so die Aussage der Spitzenkandidaten der potentiellen Koalitionspartner. Wie er sich entscheidet, wird wohl erst in den nächsten Wochen klarer werden.

Man könnte also sagen: Der Wunsch der jungen Generation hat sich erfüllt. Doch wie haben die Österreicher*innen unter 29 gewählt?

SZ-Grafik; Quelle: ORF/SORA *Rundungsbedingte Abweichungen zu 100 Prozent

27 Prozent von ihnen haben sich für Kurz und die ÖVP entschieden. Damit konnte der Bundeskanzler mit einer Geschichte aufräumen, die gerne über ihn erzählt wird: Er komme ausschließlich bei Senior*innen gut an. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen schafft Kurz es zwar sogar auf 43 Prozent. Doch dass ihn so viele junge Menschen wählen, ist angesichts der konservativen Politik der ÖVP, zu der sie sich auch nach dem Ibiza-Skandal weiter bekannte, ein guter Wert. Zum Vergleich: 2017 holte Kurz in der jungen Generation 28 Prozent. Er verlor also gerade mal ein Prozent, obwohl seine Regierung derart heftig gescheitert war.

Die Generation Ibiza findet ihre politische Heimat bei den Grünen

Anders das Bild bei der FPÖ: Ohne Kontext betrachtet mögen die 20 Prozent, die die FPÖ bei den Wähler*innen bis 29 holte, viel erscheinen – in dieser Gruppe bedeutet es gegenüber dem Ergebnis von 2017 jedoch einen Verlust von zehn Prozent. Allerdings bleibt die junge Generation weiterhin die Haupt-Zielgruppe der Freiheitlichen: Bei den 30- bis 59-Jährigen holten sie 16 Prozent (zwölf Prozent Verlust gegenüber 2017), bei den über 60-Jährigen nur 13 (sechs Prozent Verlust gegenüber 2017).

Die Generation Ibiza, die im Mai noch in Scharen zum Bundeskanzleramt am Ballhausplatz geströmt war, um den Vengaboys zuzuhören und gegen Strache zu demonstrieren, fand ihre Heimat ganz klar bei den Grünen. 27 Prozent der unter 29-Jährigen wählten die Partei von Spitzenkandidat Werner Kogler, die damit in dieser Wähler*innen-Gruppe gleichauf mit der ÖVP liegt. 2017 waren es gerade einmal sieben Prozent gewesen.

Leichte Verluste bei den jungen Wähler*innen mussten auch die SPÖ und die Neos hinnehmen – in beiden Fällen hängt dies vor allem mit dem Erfolg der Grünen zusammen. Die Sozialdemokrat*innen fanden nach Ibiza kein Mittel, um bei den jungen Menschen wirklich Aufsehen zu erregen. Die liberalen Neos, die oft mit der deutschen FDP verglichen werden, setzten zwar auf junge Themen wie Klima und Bildung. Sie konnten sich allerdings im Kontext der „Fridays for Future“- Bewegung nicht als Alternative zu den Grünen positionieren.

Bemerkenswert ist, dass die einzig mögliche Mehrheit nach dem Willen der jungen Wähler*innen eine Koalition zwischen Kurz und den Grünen wäre (54 Prozent). Weder ein Bündnis aus ÖVP und FPÖ (47 Prozent), ÖVP und SPÖ (41 Prozent) oder aus SPÖ, Grünen und Neos (49 Prozent) reicht für eine Regierung. Wenn Sebastian Kurz also auf die jungen Wähler*innen hören will, hat er die Antwort auf die Frage nach der idealen Koalition bereits gefunden.

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