„Oury Jalloh – Das war Mord“

Vor 15 Jahren verbrannte der 36-Jährige in einer Dessauer Gefängniszelle. Heute demonstrieren Hunderte gegen ein Vergessen.
15 Jahre Tod Oury Jalloh

Vor 15 Jahren verbrannte Oury Jalloh in einer Gefängniszelle in Dessau. Auch in diesem Jahr gab es Proteste gegen die Ermittlungen.

Foto: dpa

Vor 15 Jahren verbrannte der 36-jährige Oury Jalloh in einer Gefängniszelle in Dessau in Sachsen-Anhalt. Was genau damals passiert ist, ist noch immer nicht geklärt. Klar ist nur: Es gibt Unstimmigkeiten, und zwar einige.

Und damit all das nicht vergessen wird, gingen auch heute am 15. Todestag des Mannes etwa 650 Menschen in Dessau auf die Straße. Sie sind sich sicher: „Oury Jalloh – Das war Mord“. So steht es auch auf den Plakaten. Organisiert wurde die Demonstration vom Bündnis „Break the silence – Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“. Sie setzt sich seit Jahren dafür ein, dass endlich aufgeklärt wird, was in der Gewahrsamszelle Nummer 5 des Dessauer Polizeireviers am 7. Januar 2005 genau passiert ist – und dass ein*e Schuldige*r gefunden wird. Denn an die Theorie der Ermittelnden in Dessau, dass Jalloh sich selbst angezündet habe, glauben sie nicht.

Trotz langer Gerichtsprozesse gelten die Umstände bis heute als ungeklärt. Unklar ist unter anderem, wie die Matratze mit einem feuerfesten Bezug überhaupt so schnell abbrennen konnte. Haben Beamte den verhafteten Oury Jalloh mit Brandbeschleuniger übergossen und angezündet? War es kein Selbstmord, sondern Mord? Und was passierte zuvor?

Erst im vergangenen Jahr hat ein neues, von der Initiative „Break the Silence“ beauftragtes Gutachten gezeigt, dass der junge Mann schon vor seinem Tod schwer verletzt war und misshandelt worden sein könnte. Diese Verletzungen waren zuvor nie offiziell festgestellt worden. Sollten sie durch das Feuer vertuscht werden?

Auch die Linke in Sachsen-Anhalt fordert neue Ermittlungen

Nach Recherchen des ARD-Magazins „Monitor“ wurde Oury Jalloh wohl getötet. Unter Berufung auf Ermittlungsakten berichtete das Magazin, dass meherere Sachverständige nach verschiedenen Gutachten und auch Brandversuchen zu dem Schluss kamen, dass eine Selbstanzündung weit weniger wahrscheinlich sei als ein Tod durch Fremdeinwirkung. 2017 nannte der Dessauer Staatsanwalt Folker Bittmann konkrete Verdächtige. Daraufhin wurde ihm der Fall entzogen, kurze Zeit später wurde das Verfahren eingestellt und die Akte geschlossen.

Doch für das Bündnis „Break the Silence“ ist es noch lange nicht vorbei. Eine Anwältin der Familie von Oury Jalloh hat Beschwerde eingelegt. Und auch die Linke in Sachsen-Anhalt fordert neue Ermittlungen. Der Fall müsse politisch, juristisch und gesellschaftlich aufgearbeitet werden, betonte die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Henriette Quade, am Dienstag in Magdeburg. Und dagegen, dass der Fall vergessen wird, werden auch in den nächsten Jahren wohl wieder Menschen auf die Straße gehen.

soas

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