Was auf den ersten Blick wie eine romantische Geste aussieht, ist ein politisches Statement. Auf Instagram und Twitter gehen User unter dem Hashtag #Proposals4Europe für Wahlanträge auf die Knie. Mit Papierringen fragen sie ihre Liebsten: „Willst du mit mir wählen?“

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{Europawahl} Er hat ja gesagt. Wir gehen gemeinsam zur Europawahl. Warum ich wähle? Weil das der einfachste und größte Hebel für jede*n Europäer*in ist was zu ändern. Es ist die halbe Stunde Zeit an einem Sonntag, die man mit Freunden oder Nachbarn in einem Wahlraum verbringt, die lange nach den fünf Jahre der Legislaturperiode wirken. Ich wähle auch, weil wir jetzt was gegen den Klimawandel und gegen den Rechstruck tun müssen. Gegen den Lobbywahnsinn der zur Zeit in der EU herrscht (dazu ein toller Artikel der SZ dazu in den stories). Demokratie funktioniert nur wenn wir an sie glauben, wenn wir wählen. Ganz besonders wir jungen Menschen, die die mit den Konsequenzen dieser Politik noch lange leben müssen. Und die EU ist weit weg davon perfekt zu sein. Es ist unmenschlich wie sie mit Geflüchteten Menschen und Seenotrettung umgehen, wie lange Umweltschutz Themen verschlafen würden und wie sehr Lobbyismus in bestimmten Kreisen regiert. Aber das kann sich ändern. Wenn wir wählen gehen und die Parteien wählen, die für unsere Werte einstehen. Ich glaube daran, dass es da draußen Politiker*innen gibt, die Mensch und Umwelt und nicht Wirtschaftsinteressen in den Fokus stellen. Wenn ihr euch unsicher seid, welche Partei ihr gut findet: testet den @wahlswiper - das ist wie Tinder für Parteien. Selbst kleine Parteien haben gute Chancen reinzukommen, weil es keine 5% Hürde wie im Bundestag gibt. In den nächsten Tagen nehme ich euch mit durch unsere Wahlvorbereitungen (omg wichtigster Tag des Jahres). Geht ihr wählen? Wenn ja, warum? Wenn nicht, würde mich das auch sehr interessieren. #proposals4europe #europawahl19 Foto by @raphaeljanze English: He said yes for going to the EU election together

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Die Initiative KleinerFünf hat die Kampagne #Proposals4Europe vergangene Woche gestartet. Das Ziel: Erstwähler, Nichtwähler und Protestwähler zur Wahl bewegen. Bei der vergangenen Europawahl lag die Beteiligung in Deutschland bei rund 48 Prozent. Die Initiative macht politische Bildungsarbeit und wurde 2016 von dem Verein Tadel verpflichtet! e.V gegründet. Auf ihrer Instagram-Seite heißt es: „Für Demokratie, gegen Rechtspopulismus – mit radikaler Höflichkeit“. Sie finanziert sich mithilfe von ehrenamtlicher Mitarbeit, Spenden und Mitgliedschaften.

„Angefangen hat die Idee mit dem Hashtag #Wahlantrag bei den Landtagswahlen 2017 in Schleswig-Holstein. Fortgesetzt haben wir das dann bei der Bundestagswahl. Damals wurden Anträge mit Silikonringen gemacht“, sagt Barbara Djassi, Mitarbeiterin bei KleinerFünf. 

Für die Europawahl wollten sie die Ringe dann vereinfachen und gestalteten eine Origami-Variante. Auf der Kampagnen-Homepage kann man sich eine Papiervorlage mit Hashtags wie #democracy #culturaldiversity #crossingborders und #OpenMind herunterladen. Ausgeschnitten lässt sich die Papiervorlage dann zu einem Ring falten. Unter dem Hashtag #Proposal4Europe teilen User ihre Wahlanträge bereits auf Twitter und Instagram.

Wichtig ist der Initiative, dass die Aktion auch offline Aufmerksamkeit erregt. Der Hintergedanke: Heiratsanträge fallen auf und bringen Menschen ins Gespräch. Auf diesem Weg soll eine Kommunikation mit Nichtwählern über die Europawahl auch auf der Straße stattfinden. „Am Anfang machen das nur Freunde und Freundinnen, aber im besten Fall geht man vor den Leuten auf die Knie, von denen man weiß, dass sie eher nicht wählen“, sagt Barbara. Die Aktion solle zum primären Ziel der Initiative beitragen: „KleinerFünf bedeutet, dass wir keine Rechtspopulisten in Parlamenten wollen.“

laho