„Es geht uns vielleicht ein bisschen zu gut, um unsere Meinung zu sagen“

Viele wollen bei der Demonstration gegen den AfD-Parteitag ein Zeichen setzen. Doch nicht allen ist das Zeichen groß genug.
Protokolle von Maike Frye

Überall Polizei, Security und Straßensperren – Augsburg befindet sich am Samstag wegen des  AfD-Bundesparteitags im Ausnahmezustand. 700 Abgeordnete der AfD sind vor Ort, doch nicht alle Augsburger nehmen das einfach so hin. Um ein Zeichen gegen die Werte der AfD zu setzen und Rassismus keine Chance zu geben, sind nach Angaben der Polizei 5000 Demonstranten auf die Straße gegangen. Darunter auch viele junge Menschen. Wir haben mit einigen davon über ihren Protest gesprochen.

„Wenn wir aufhören zu diskutieren, dann haben wir verloren“

Foto: Maike Frye

Sandra, 23:

Ich demonstriere heute gegen die AfD, um eine Wiederholung der Ereignisse von 1933 zu verhindern. Deshalb finde ich es auch extrem wichtig, dass gerade wir jungen Menschen auf die Straße gehen. Wir gestalten schließlich unsere Zukunft. Wir sind offen und tolerant und wachsen heutzutage ganz anders auf als die ältere Generation. Wir können international arbeiten, warum können wir nicht auch international leben?

Es ist auch im jungen Alter wichtig, zu sagen: „Gut, ich verstehe vielleicht nicht so viel von Politik, aber mir ist klar, dass die AFD nicht cool ist.“ Und um diesen Standpunkt zu vertreten, kann man heute auch mal ruhig früh aufstehen. Die Frage ist natürlich immer, wie man dann genau demonstriert. Gewalt ist da nicht die richtige Form. Leider müssen wir mit den AfD-Leuten auf irgendeine Weise kommunizieren, aber dennoch würde mir nicht einfallen, mit Steinen auf die zu werfen. Denn dann begeben wir uns auf die gleiche Ebene und das ist nicht richtig. Ich kann nicht Gleiches mit Gleichem bekämpfen. Wenn wir aufhören zu reden und zu diskutieren, dann haben wir verloren.

„Es geht uns vielleicht ein bisschen zu gut, um unsere Meinung zu sagen“

Foto: Maike Frye

Matthias, 32:

Ich bin extra für die Demo nach Augsburg gekommen. Wenn ich mir die politische Landschaft und diesen Rechtsruck weltweit anschaue, dann bereitet mir das Sorgen. Ich kann aber nicht einerseits über diese Zustände schimpfen und dann andererseits sagen: „Ach, ich schlafe lieber aus, das ist mir zu anstrengend.“ Ich habe vorab alle Leute, die ich in Augsburg kenne, angeschrieben, ob sie mit mir hierherkommen. Leider waren viele dann doch zu bequem. Im Vorfeld haben sie geschimpft, aber dann haben sie sich lieber um ihre privaten Dinge gekümmert.

Dabei ist es wirklich wichtig heute hier zu sein. Auch wenn ich gegen Vandalismus und Krawall bin, glaube ich, dass gerade wir Süddeutschen nämlich oft viel zu brav und angepasst sind. Es geht uns vielleicht ein bisschen zu gut, um unsere Meinung zu sagen. Dadurch werden wir lieber nicht zu laut, weil wir denken, dass wir uns am Ende selbst schaden.

Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass bei dieser Demo so wenig Leute sind, ich hatte gehofft, es würden mehr kommen. Das kann aber auch daran liegen, dass es mehrere Demonstrationen gibt. Mir geht es heute gar nicht um die AfD, die sind mir egal. Stattdessen geht es um die Menschen, die heute nicht hergekommen sind. Vielleicht merken die: „Oh, das waren zu wenig Leute heute bei der Demo. Ich sollte nächstes Mal doch hingehen.“

„Wir denken schon, dass man damit ein starkes Zeichen setzen kann“

Foto: Maike Frye

Chiara und Luisa, beide 18:

Wir wollen gegen die AFD protestieren, weil wir pro Flüchtlinge sind. Wir möchten nicht, dass jemand gegen Fremde hetzt oder Rassismus verbreitet. Außerdem hatten wir Zeit und dachten, wir nutzen die besser sinnvoll und kommen her, um die Leute hier vor Ort zu unterstützen. Wir wollen es nicht widerstandslos über uns ergehen lassen, dass sich Faschismus verbreitet.

Wir hoffen, dass unser Protest die Leute, die wenig politisch aktiv sind, auf das Thema aufmerksam macht und natürlich auch die AfD zumindest ein wenig beeindruckt. Schließlich kommen bei einem Bundesparteitag jeder anderen Partei nicht so viele Menschen zusammen, um gegen die Partei zu protestieren. Wir denken schon, dass man damit ein starkes Zeichen setzen kann.

„Ich glaube, dass die AfD sich nicht groß von dem Protest beeindrucken lässt“

Foto: Maike Frye

Lea, 22:

Ich bin heute hier um zu sehen, wie Augsburg zusammenhält und um zu zeigen, dass die AFD nicht erwünscht ist. Als junger Mensch, betrifft das Programm der AfD auch mich und meine Zukunft und dagegen möchte ich vorgehen.

Ich glaube, dass die AfD sich allerdings nicht groß von dem Protest beeindrucken lässt. Die sind es ja schon gewöhnt, soviel Gegenwind zu bekommen. Ich weiß auch nicht, ob sie so sehr nach links und rechts schauen oder einfach nur ihr Programm durchziehen. Ändern werden sie es wegen unserer Demo aber wohl leider nicht. Trotzdem ist unser Protest wichtig, weil er zeigt, dass man aufeinander zugehen und so dem Rassismus keine Chance geben sollte.

„Wie sind doch diejenigen, die politische Entscheidungen in Zukunft ausbaden müssen“

Foto: Maike Frye

Christian, 24:

Ich bin hier, weil ich es wichtig finde, sich im Jugendbereich für Solidarität und Demokratie stark zu machen. Die Generationen vor uns haben gesehen, was passiert, wenn man sich nicht dafür einsetzt und genau deshalb ist es wichtig, heute auf die Straße zu gehen und zu sagen: „Nein, wir wollen keine braune, rechte Gesinnung bei uns haben, sondern friedlich zusammenleben.“

Wir wollen keine Gewalt, weder von links noch von rechts unterstützen, sondern unsere Meinung kundtun und in Diskussion treten mit anderen Menschen, die das genauso sehen. Für mich bedeutet Protest, zusammen eine Message zu verbreiten und dabei friedlich zu bleiben und zu schauen, dass keiner zu Schaden kommt.

Der Protest ist gerade für uns junge Menschen wichtig, weil viele politische Entscheidungen heutzutage von der älteren Generation gefällt werden. Das hat man unter anderem beim Brexit gesehen. Die jungen Menschen interessieren sich zu wenig für Politik und gehen zu wenig wählen. Dabei sind wir doch diejenigen, die politische Entscheidungen in Zukunft ausbaden müssen.

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