13 000 Stühle vor dem Bundestag – stellvertretend für 13 000 Geflüchtete in Moria

Die Bewegung Seebrücke organisierte die Aktion, nachdem vergangene Woche der erste Corona-Fall in Moria bestätigt worden ist.
moria stühle

Die Bewegung Seebrücke stellte 13 000 Stühle vor dem Bundestag auf – stellvertretend für die 13 000 Geflüchteten im Camp Moria.

Foto: dpa/Kay Nietfeld

13 000 leere Stühle reihten sich heute vor dem deutschen Bundestag in Berlin aneinander. Die internationale Bewegung Seebrücke hat sie hier mit Leuten, die ihrem Aufruf gefolgt sind, aufgebaut. Die Stühle stehen stellvertretend für 13.000 Menschen, die im Geflüchtetenlager Moria ausharren. Seebrücke fordert mit der Stuhl-Aktion die Evakuierung des Camps auf der griechischen Insel Lesbos. Vergangene Woche wurde dort ein erster Corona-Fall bestätigt.

Es mangelt an Möglichkeiten, Abstand zu halten und sich die Hände zu waschen, an medizinischer Versorgung

Der erste Corona-Fall im Camp ist ein Szenario, vor dem sich viele Geflüchtete und Helfer*innen schon lange fürchten. Denn derzeit leben etwa 13 000 Menschen im Camp Moria – unter Bedingungen, die die Verbreitung des Virus begünstigen können: Es mangelt an Möglichkeiten, Abstand zu halten und sich die Hände zu waschen, an medizinischer Versorgung. Ausgelegt war das Camp ursprünglich für nur etwa 2800 Menschen. Seit Monaten dürfen sich die Geflüchteten außerhalb des Camps nicht mehr frei bewegen – laut Behörden diene das ihrem Schutz. Die Behörden haben nun eine 14-tätige Quarantäne angeordnet, denn sollte sich das Virus in Moria weiter ausbreiten, könnte das die Notlage dort extrem verstärken. 

Seebrücke und andere Hilfsorganisationen setzen sich schon länger für eine Evakuierung des Camps ein, am Mittwoch wiederholte Seebrücke die Forderung noch einmal dringlich in einem Instagram-Post – verbunden mit scharfer Kritik an der EU: „Deutschland und andere EU-Staaten könnten so viele Menschen direkt in Sicherheit bringen, doch es fehlt an politischem Willen.“ Tatsächlich hatte der Bund im Sommer die Aufnahme von mehreren hundert Menschen aus überfüllten Geflüchtetenlagern verhindert. Geplant war zuvor, die Geflüchteten in Thüringen und Berlin unterzubringen. Die Begründung des Bundes dafür war gewesen, dass eine bundeseinheitliche Haltung bei der Aufnahme von Geflüchteten notwendig sei. Für diese Entscheidung wurde der Bund scharf kritisiert.

Viele posteten Fotos von leeren Stühlen Zuhause oder unterwegs

Im Rahmen der Aktionstage „We’ll come United“ rief Seebrücke in den vergangenen Tagen also dazu auf, Aufnahmebereitschaft zu zeigen. Symbolisch wurden hierfür vom 5. bis zum 7. September Stühle vor Rathäusern aufgestellt, nicht nur in Berlin, sondern auch in Mannheim, Lüneburg und Hamburg. Der Protest fand aber auch online statt: Viele posteten Fotos von leeren Stühlen Zuhause oder unterwegs, versehen mit den Hashtags #WirHabenPlatz und #SolidarityWillWin. Ob der Protest Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Andere Proteste und Forderungen nach der Evakuierung des Camps hatten bisher keine Konsequenzen.

maca

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