Diese Tweets sagen dir alles, was du über den Akademikerball in Wien wissen musst

Heute Abend tanzt Europas rechte Elite wieder in der Hofburg.
Von Eva Hoffmann

Seit 66 Jahren feiern Burschenschafter, ihre weiblichen Begleitungen und Sympathisanten in der Wiener Hofburg den Akademikerball. Seit fünf Jahren kommt es dort zu größeren Protesten, weil der Ball seitdem unter der Schirmherrschaft der FPÖ stattfindet. Während innerhalb der vergangenen Wochen der Protest gegen die neue rechts-konservative Regierung aus FPÖ und ÖVP gewachsen ist, gehen dem Ball einige Absurditäten voraus, die wir dir nicht vorenthalten wollen.   

Was machen die „Omas gegen Rechts“? 

Sie sind in erster Linie pünktlich. Zumindest meldet die österreichische Zeitung der Standard, dass die „Omas gegen Rechts“ mit ihren Schildern und pinken Mützen schon besonders früh auf der Demo eingetroffen sind. Man kennt die Gruppe älterer Frauen in Wien seit der letzten Großdemo gegen die türkis-blaue Regierung am 13. Januar. Von anderen Mit-Demonstranten gefeiert, haben sie scheinbar seitdem ihre Social-Media-Skills spielen lassen und einen eigenen Twitter-Account ins Leben gerufen, wo man ihre Parolen lesen und auswendig lernen kann.  

Was haben Burschenschaften mit der FPÖ zu tun?

Burschenschaften hätten mit der FPÖ nichts am Hut, verkündete Parteichef  Heinz-Christian Strache ziemlich selbstvewusst, nachdem der niederösterreichische Spitzenkandidat Udo Landbauer letzte Woche als stellvertretender Vorsitzender der rechts-nationalen Burschenschaft Germania ins Kreuzfeuer der Medien geriet. Die Burschenschaft verwendet ein Liederbuch, das offen rassistische und antisemitische Lieder enthält, die man sich so nur zwischen 1933 und 1945 vorstellen kann. Neben Landbauer sind 17 der 51 Mandatare im österreichischen Parlament ebenfalls offen Mitglieder einer Burschenschaft. Dennoch empört sich Strache lieber über die Wiener Zeitung Falter, die diese Traditionen veröffentlichte, statt über den offenen Rechtsextremismus in den Reihen seiner Partei. Auf Twitter gibt es bereits Vorschläge, wie man jetzt beim Akademikerball mit diesem Problem umgehen könnte:      

Warum werden hier Mülleimer angekettet?

Während sich die Wiener Antifa darüber lustig macht, dass die Polizei trotz aller Mäßigung der vergangenen vier Jahre wohl wirklich davon ausgeht, dass heute Abend Mülleimer in die Luxusläden fliegen, streiten sich Österreicher und Zugezogene über diesen Tweet. Denn nur Zugezogene würden „Mülleimer“ schreiben. „Mistkübel“ heißt das! Geh, bitte! 

Wer crasht dieses Jahr den Ball? 

Dass die Polizei Gesichtsscanner installieren will, um einen erneuten Auftritt der Satire-Burschenschaft Hysteria zu verhindern, ist bisher nur ein Gerücht. Am Wiener Flughafen ist die Technologie aber bereits Realität. Der Tweet der „Burschen“ von Hysteria ist neben einem kleinen Seitenhieb also auch eine Anspielung auf aktuelle politische Maßnahmen unter einem FPÖ-geleiteten Innenminesterium.  

Darf man heut Abend Schal tragen?  

Eine recht banale Frage, die in Österreich aber eine aufgeheizte Diskussion mit sich bringt. Weil: So genau weiß das keiner. Zwar gibt es seit vergangenem Jahr ein „Verhüllungsverbot“, dem schon Maskottchen, Clowns und durchgefrorene Radfahrer zum Opfer fielen. Ab wann es aber endlich kalt genug ist, sich den Schal vors Gesicht zu ziehen, wurde nicht festgelegt. Heute Abend werden die Temperaturen wohl nicht unter null Grad fallen. Die Wiener Polizei findet also zum Thema Schlatragen: wohl eher nicht. 

Und so sehen die Proteste gerade aus:

Noch mehr Proteste gegen Rechts in Wien:  

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