"Mein Bus war der Vorläufer des Internets"

Wir haben die schönsten Behausungen auf dem Puls Open Air gesucht.
Von Mercedes Lauenstein und Juri Gottschall

Christopher, Tim und Stefan - die Pseudo-Österreicher aus Landshut.

Foto: Juri Gottschall

Christopher, 20, Tim, 21, Stefan, 23

"Die Österreicher, die sind halt einfach cool und haben saugute Musik. Deshalb hat die Hüttn eine österreische Flagge dran. Wir selbst sind nicht aus Österreich, sondern aus Landshut. Auch schön. Wir haben die Hüttn vor zwei Jahren innerhalb von zwei Tagen auf dem Hof vom Stefan selbst gebaut, für das Pfingst-Open-Air in Salching. Sie beherbergt ein Sofa, einen Kühlschrank, der mit Solarzelle betrieben wird und eine Hängematte. Die Hüttn zieht immer Besuch an, klar. Sie ist ein richtiger Star. Man kann so schön aufs Dach gehen und eine Aussicht haben und nette Menschen dabei treffen und tanzen. Der Besucherrekord auf dem Dach liegt bei 25 Menschen und unten drin geschlafen haben auch schon so einige. Denn sie ist zwar erst zwei Jahre alt, aber wir haben sie schon auf 30 Festivals gekarrt." 

Roman, Kathi, Markus und der Hanomag.

Foto: Juri Gottschall

Roman, 28, Kathi, 20 und Markus, 24

"Kann sein, dass ich in diesem Bus sogar gezeugt wurde. Der Hanomag ist Familienbesitz, meine Eltern haben ihn sich für ihre Hochzeitsreise durch die Sahara ausgebaut. Ich kenne kein Leben ohne Hanomag. Wir sind darin in meiner Kindheit ständig in den Urlaub gefahren. Ich nenne ihn gern Hamagon, ein Anagramm, das klingt so schön nach einem japanischen Godzilla. Vor drei Jahren habe ich endlich den LKW-Führerschein gemacht damit ich ihn selbst auch mal fahren kann. Meine Eltern geben ihn mir gern. Ich war damit schon auf diversen Festivals und in Italien. Vier Leute können drin schlafen. Man kann drin kochen und es gibt sogar ein Sandblech, falls man sich mal festfährt. Und ich hab immer Carokaffee dabei. Carokaffee gehört zum Hanomag, das hab ich da drinnen schon als Kind getrunken. Egal wo ich auf der Welt bin, aber wenn ich Carokaffee rieche, denke ich an Urlaub im Hanomag." 

Alina und Markus und ihr "Urs".

Foto: Juri Gottschall

"Das ist der Urs. So heißt er, weil wir ihn in den Schweizer Farben angemalt haben. Eigentlich ist er ein Ossi und kommt aus Leipzig. Wir finden aber, dass er eher ein Schweizer ist: Langsam, aber zuverlässig. Jeden Sommer springt er wieder an. Drinnen ist eine Queensize-Matratze und irre viel Stauraum. Im Winter wohnt er auf dem Bauernhof bei einem Freund, der sich sehr rührend um ihn kümmert. Heut morgen um sieben hat er sich schon unter das Auto gelegt um zu schauen, ob alles passt. Seine weiteste Reise ging nach Cassis bei Marseille. Und dann wäre einmal noch beinahe in einem Videodreh gewesen, als Bandauto, wenn meine Schwester nicht genau zu dem Zeitpunkt damit in den Urlaub gefahren wäre. Schade, so ist er um seine großen 15 Minutes of fame gekommen. Aber das ist in Ordnung. Der Schweizer glänzt schließlich auch mit Understatement." 

Alina, 29 und Markus, 27

Diana und Basti in ihrem "Captain Paul".

Foto: Juri Gottschall

Diana, 25 und Paul, 22 

"Captain Paul habe ich vor drei Jahren am Tegernsee gekauft, da hatte er schon 350.000 Kilometer drauf. Was der alles schon gesehen und erlebt hat, das würde ich gern mal wissen. Mit mir jedenfalls auch schon eine Menge. Ich habe ihn zum Beispiel schon bis nach Portugal gefahren und in Monaco war er auch schon. Ich liebe sein Innenleben, das ist perfekt geschreinert, da war ein Meister am Werk. Und da wo der Herd ist, kann man das Dach ausklappen, so dass man beim Kaffeekochen stehen kann. Nur Kaffeekochen muss man halt können. Ich kann es irgendwie nicht. Ich hab in meiner Moka mal vergessen, ein bestimmtes Sieb einzusetzen und dann ist sie mir explodiert und der ganze Bus war voller Kaffee und mein Freund hat beinahe einen Herzinfarkt erlitten. Oh, und auf der Autobahn ist mir neulich die Windschutzscheibe gerissen, aber so richtig. Das war schrecklich. Seither fahr ich vorsichtshalber nur noch im Windschatten von LKW." 

Manni mit seinem "Hans".

Foto: Juri Gottschall

Manni,  28

"Das ist der Hans, der ist 82 geboren. Eigentlich wollte ich nur irgendeinen Bus zum Selberausbauen, drin pennen und als Tourbus für meine Band Müslis most funkiest. Aber dann hab ich den hier im Internet gefunden, einen Ford Transit MK2. Ein Ehepaar hat ihn jahrelang als Familienkutsche besessen und ihn kurz vor dem Verkauf sogar noch mal richtig aufmöbeln lassen, deshalb glänzt er auch so toll. Aber dann wurde die Mutter der Frau krank, so dass sie oft nach Griechenland zu ihr nach Hause fahren mussten und dafür ein reisetüchtigeres, weniger durstiges Auto brauchten. Als ich dem Mann sagte: „Ich nehm die Karre“, war er ganz aufgebracht: „Was hast du gesagt? Karre? Welche Karre? Du meinst den Ford!“ Aber ich bekam ihn unter dem Eid, ihn wahnsinnig gut zu behandeln. Tue ich natürlich. Es war sehr bewegend: Als ich vom Hof fuhr, weinte die ganze Familie, so weh tat es ihnen, das alte Auto zu verkaufen. Ich habe ihn Hans getauft, weil es, wenn es ein Typ wäre, so ein gemütlicher Kerl wäre, der im Wirtshaus hockt und richtig Durscht hat."  

Chris und Miriam im Kangoo.

Foto: Juri Gottschall

Chris, 22 und Miriam, 19 

"Der Kangoo ist von Miris Vater, der ist schon 13 Jahre alt, wir haben ihn leihen dürfen für das Festival und zum ersten Mal zum Schlafauto umgebaut. Wir wussten gar nicht, ob das als Camper durchgeht, aber es ging. Ich war schon auf vielen Festivals, aber seit einiger Zeit habe ich keine Lust mehr aufs Zelten. Das ist mir zu ungemütlich und matschig. Außerdem habe ich jetzt schon zwei Mal Blitzeinschläge miterlebt und jetzt ist mir das Risiko einfach zu groß. In so einem Auto ist man sicher und hat es viel gemütlicher und isolierter als im Zelt. Leider haben wir ein bisschen zuviel Gepäck, weil wir alles an Polstern und Decken eingepackt haben, was wir finden konnten. Macht es aber auch sehr gemütlich. Wir essen gerade Frühlingsrollen und Pizza vom gestrigen Abendessen und für die nächsten Tage haben wir Nutella und Brot, Gurken, Eier und Paprika dabei. Und 15 Passionsfrüchte, die waren im Angebot beim V-Markt."

Flo und Nadine mit "Hildegard".

Foto: Juri Gottschall

Flo,  30 und Nadine, 28

"Die alte Hildegard ist Wahnsinn. Erstens ist sie im selben Jahr zugelassen worden, in dem Kurt Cobain geboren wurde, und zweitens war sie früher ein Computer. Ich sage immer: Sie war der Vorläufer des Internets. Der ganze Wagen war eine einzige Technikstation, die von Alllianz zu Allianz-Filiale gefahren ist und dort die Daten ausgelesen und eingesammelt hat. Ich habe Hildegard allerdings nicht direkt der Allianz, sondern einem alten Pfarrer abgekauft. Keine Ahnung, was der mit ihr vorher gemacht hat. Ich finde jedenfalls, sie hat den Namen Hildegard verdient. Wenn sie ein Mensch wär, wär sie nämlich eine dickbusige Wiesnbedienung."

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