Slime 2010
Foto: Libertinus

Es gibt in der deutschen Punk-Szene einen relativ zuverlässigen Indikator für einen Rechtsruck in der Gesellschaft: die Band Slime. Eigentlich waren die frühen 80er Jahre ihre große Zeit. Doch seit der ersten Auflösung wiedervereinigt sich die Band in regelmäßigen Abständen, auch um rechtsradikale Tendenzen mit einem neuen Song zu kontern.

Offenbar haben die aktuellen Entwicklungen die Slime-Comeback-Hemmschwelle mal wieder überschritten. 37 Jahre nach der Erstgründung haben die Hamburger Alt-Punker ein Lied veröffentlicht: „Sie wollen wieder schießen (dürfen)“. Wer beim Titel noch zweifelt, ob auf Beatrix von Storchs Kommentar angespielt wird, sollte nach dem Anschauen des Musikvideos keine Zweifel mehr haben. Pegida-Demonstrationen, AfD-Veranstaltungen und Neonazi-Aufmärsche werden hintereinander gezeigt. Zwischendurch ein brennendes Flüchtlingsheim. 

Die spontane Reunion gegen Rechts ist eher Tradition als Überraschung. Schon Anfang der 90er Jahre hatten Slime sich wieder zusammengerauft, um der wachsenden Neonazi-Szene und den fremdenfeindlichen Ausschreitungen auf musikalischer Ebene etwas entgegenzusetzen. Nun war der Bogen für die Punkrocker wieder überspannt. Offiziell gibt es Slime schon wieder seit 2009, doch mehr als ein Album und eine Single sind bisher nicht daraus geworden. Ganz zufällig kommt dieses Video kurz vor dem Tour-Start wahrscheinlich nicht. Aber selbst wenn da ein bisschen Marketing-Kalkül mitschwingt, kann man Slime vielleicht verzeihen. Die Einnahmen durch den Song landen jedenfalls bei ProAsyl. 

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