Superkräfte, vereint euch: Die Evolution eines Mems

Der Harlem Shake ist kaum vorüber, da kommen seine Nachfolger um die Ecke: Hadokening, Vadering und Public Pottering. Was aus den neuesten Mitmach-Mems in den nächsten Wochen wird, lässt sich schon jetzt erstaunlich genau vorhersagen. Ein Blick in die Zukunft.
lucas-grunewald

Was bisher geschah.

Vor ein paar Wochen stellt ein Computerspiel-Blogger Bilder von japanischen Mädchen ins Internet. Sie stehen in einer Turnhalle im Kreis und springen in die Luft , während ein Mädchen in der Mitte ihre Hände seitlich ausstreckt. Sie stellen einen Kampfmove namens Hadoken aus der Serie Dragon Ball nach. Ein paar Tech-Blogger verlinken die Fotos der japanischen Schulmädchen und nennen das Mem “Hadokening”. Vor sechs Tagen postet ein Unbekannter in einem Forum eine “ Antwort auf Hadokening “ und nennt sie “Vadering”: Auf einem Foto würgt ein Mann auf einem Parkplatz einen anderen Mann wie Darth Vader telepathisch, während der in der Luft schwebt. Blogger twittern den neuen Trend, und von Krakau bis Iowa City heben sich seither junge Twitterer gegenseitig in die Luft und twittern die Fotos unter dem Hashtag #vadering . Die Jugendwellen von ARD und ZDF posteten eigene Versionen vom Vadering. Derweil sind australische Internetnutzer schon einen Schritt weiter und posten Fotos, auf denen sie im Sprung einen Besen reiten. Das dritte Mem, das übernatürliche Kräfte aus Filmen zitiert, heißt nach Harry Potter: „Public Pottering“.

 So geht es weiter.

Morgen. In Sydney kommen Surfer auf die Idee , am Bondi Beach ein über Facebook verbreitetes Massen-Vadering abzuhalten. Polizisten rücken an, stehen aber dann nur kichernd daneben und machen Fotos. Ein Tumblr-Bild wird viral, auf dem Soldaten der US-Armee sich gegenseitig würgen. Stellt sich später als Photoshop-Fake aus Nordkorea heraus.   

Übermorgen. Die US-Show Saturday Night Live postet ein Video , in dem Jennifer Aniston, Matt Damon und Justin Timberlake versuchen, ein Vadering-Foto zu machen und sich dabei ulkig-doof anstellen. Auf ProSieben läuft nachmittags ein kurzer Beitrag, in dem der “neue Trend aus dem Netz” erklärt wird. Ein schlecht gelaunter, aber einflussreicher Blogger behauptet , hinter dem Mem stecke entweder eine Fastfoodkette oder die virale Marketingabteilung der Disney Studios, die doch erst letztes Jahr die Rechte an Star Wars und damit auch an Darth Vader...

Überübermorgen. Am Ende einer kalifornischen Nachrichtensendung würgt die Sportreporterin den Anchorman live mit Vader-Griff an die Decke des Studios. Er steht dabei auf einer Hebebühne, was man aber als Zuschauer nicht sieht. Das Video wird auf Youtube 700.000 Mal geklickt. Gleichzeitig berichtet eine Zeitung, dass elf Bergarbeiter fristlos entlassen werden, nachdem sie in einer Erzmine als fliegende Harry Potters posiert haben. 

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Illustration: Julia Schubert

Überüberübermorgen. Ein Schüler aus einem Vorort von Brisbane stürzt auf einem Besen in den Treppenschacht eines Einkaufszentrums und ist querschnittsgelähmt. Claus Kleber berichtet mit zerfurchtem Gesicht im Heute-Journal darüber. Das Video vom Sturz wird zwei Millionen Klicks später von Google gesperrt.

 

Überüberüberübermorgen. Eine New Yorker Lokalzeitung berichtet über einen Mann , der angeblich schon 1983 auf einem Baseballfeld in Queens beim Vadering gesichtet wurde. Er ist 2006 gestorben. Währenddessen postet ein Unbekannter in einem Forum vier Bilder unter dem Titel “Public Mary Poppins-ing”. Darauf sieht man zwei 14-jährige Mädchen, die mit aufgespannten Regenschirmen auf einer Balkonbrüstung stehen.

 

Irgendwann im September. Die Junge Union hat eine freche Idee für den Endspurt im bayerischen Landtagswahlkampf und postet ein Foto auf Facebook. Darauf streckt ein junger Mann mit Seehofer-Maske seine Hände vor sich in die Luft, und vier rot gekleidete Christian Udes springen in die Luft. Vierhundert Leuten gefällt das.

 

Barack Obama und Joe Biden sind die besten Memes:

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