Die Ibiza-Affäre gibt es jetzt auch als Porno

Ooooohhhh, we're going to Ibiza!

Das Filmcover des neuen Ibiza-Pornos. Und nein, man hat keine Bildungslücke, wenn man diesen Film NICHT gesehen hat.

Foto: Thomas Janisch / ÖKM Bearbeitung: jetzt

Im Mai 2019 hat die Veröffentlichung eines Videos, das heimlich in einer Luxusvilla auf Ibiza aufgenommen wurde, die österreichische Regierung gesprengt. Zur Erinnerung: Der ehemalige Vizekanzler und FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache saß im Video mit seinem Vertrauten Johann Gudenus und einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte zusammen. Gemeinsam überlegten sie, wie man mit Parteispenden und Beeinflussung der österreichischen Kronen Zeitung die Nationalratswahl zu Gunsten der FPÖ drehen könnte.

Was folgte: ein gewaltiges Medienecho, der Rücktritt von Strache, Neuwahlen. Aber nicht nur für die Politik war die Ibiza-Affäre bahnbrechend, sondern auch auch für die Popkultur. So erlebte die niederländische Eurodance-Band Vengaboys mit ihrem 90er-Hit „We're Going to Ibiza!“ ein Blitzcomeback, landete für drei Tage auf dem ersten Platz der österreichischen iTunes-Charts und wurde zur Krönung noch von 20 000 Demonstrierenden am Wiener Heldenplatz bejubelt. Nur wenige Wochen später verwob die Hamburger Rapperin Haiyti den Skandal in ein Musikvideo zu ihrem Song „Coco Chanel“ – wofür sie die echte Ibiza-Villa über Airbnb anmietete. 

Dass der Stoff trotzdem noch nicht auserzählt ist, fand offenbar der österreichische Pornoproduzent Thomas Janisch – und verfilmte die Affäre mit seiner Firma ÖKM als „schoarfen“ Erwachsenenfilm, aka Porno. Natürlich nicht, ohne öffentlich darauf hinzuweisen, dass Handlung und Personen „frei erfunden“ und alle Ähnlichkeiten „mit lebenden oder toten Personen rein zufällig“ seien. Die mittlerweile berühmt gewordene Finca hat er dafür zwar nicht bekommen, aber zumindest inhaltlich hangelt er sich am Original entlang. Der tiefsinnige Plot:

Die russische Oligarchin „Olga Muschikova“ will gemeinsam mit ihrer Assistentin „Iwanka Blasowska“ (die abwechselnd mit osteuropäischem, österreichischem und  französischem Akzent spricht) das Porno-Monopol des „Österlandes“ beherrschen und bittet dafür heimische Politiker zu sich auf die Couch. Im Klappentext von „Die geheimen Sex-Videos der Ibiza-Oligarchin“ heißt es: „Zusammen sind die beiden ein perfekt eingespieltes Team, das die sexgierigen Politiker ohne Probleme um die Finger wickelt. Die Herren machen alles, was die Damen wollen [...]“.

„Janisch schließt nicht aus, noch mehr kinky Politikparodien zu liefern“

Die Idee kam dem Produzenten durch die seiner Meinung nach im Originalvideo anklingende sexuelle Komponente, wie er selbst am Telefon erzählt. Er habe die Geschichte um die begehrenswerte, wohlhabende Russin gedanklich einfach weitergesponnen – fertig war der Pornostoff. Zu sehen gibt es den eineinhalbstündigen Film allerdings nicht auf einschlägigen Plattformen wie YouPorn oder Pornhub, sondern nur bei Janischs ÖKM-Verlag – für immerhin 29 Euro. Mit der Firma im österreichischen Bad Ischl hat sich Janisch auf Erotik mit Heimatbezug spezialisiert. Gemessen an der großen Medienaufmerksamkeit und den Klickzahlen auf seiner Bezahl-Website, soll der eineinhalbstündige Film seinen Angaben zufolge bereits jetzt eine der erfolgreichsten Produktionen von ÖKM sein.

Angesichts der politischen Situation Österreichs schließt Janisch nicht aus, noch mehr kinky Politikparodien zu liefern. Wenn man so will, ist dem Sohn des Gründers des ersten österreichischen Erotikmagazins – der als Journalist ausgerechnet für die von Strache so begehrte Kronen Zeitung tätig war – nicht nur ein politischer Kommentar, sondern aus Versehen auch noch ein Sexfilm über feministisches Empowerment gelungen: die Zukunft Österreichs haben hier die „Ladies“ in der Hand. Feedback von Strache hat Janisch übrigens noch nicht bekommen.

nvo

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