Vier Jahre nach Vergewaltigungsvorwurf: Universität entschuldigt sich bei deutschem Studenten

Man habe ihn nicht ausreichend vor Medien und wütenden Kommilitonen geschützt.

Emma Sulkowicz und die Matratze, die sie berühmt gemacht hat. Sie und und Paul Nungeßer, der sie vergewaltigt haben soll – und bei dem sich die Universität nun entschuldigt.

Foto: Damon Winter, picture alliance / AP Photo

Vor drei Jahren schleppte eine Kunststudentin der New York Columbia University monatelang eine blaue Matratze über den Campus. Sogar zu ihrer Abschlusszeremonie brachte sie das 22 Kilogramm schwere Stück mit, das angeblich der Matratze ähnelt, auf der sie nach eigenen Angaben vergewaltigt wurde. Für die heute 24-Jährige Emma Sulkowicz, war diese Kunstperformance ein Symbol für eine aus ihrer Sicht vorherrschende Vergewaltigungskultur an amerikanischen Universitäten. Ein Zeichen dafür, wie die Columbia vor ihrer mutmaßlichen Vergewaltigung die Augen verschlossen hatte.

Für den deutschen Studenten Paul Nungeßer hingegen war die Kunst-Performance seiner Kommilitonen eine stetige Erinnerung an die Zeit, in der er als Sulkowicz’ mutmaßlicher Vergewaltiger beschuldigt wurde ­– obwohl die Vorwürfe von ihm stets abgestritten und auch offiziell nie bestätigt wurden. Die ganze Geschichte wurde vor einigen Jahren von beiden Seiten sehr detailliert bei den Kollegen vom SZ-Magazin beschrieben.

Vier Jahre nach den Anschuldigungen an Paul Nungeßer, auch durch zwei andere Studentinnen, entschuldigte sich die Universität nun bei ihrem ehemaligen Studenten, der heute Mitte 20 ist und an einer Filmhochschule in Deutschland studiert. „Die Columbia erkennt an, das Pauls Leben an der Universität nach der Untersuchung sehr schwierig wurde“, heißt es in dem Schreiben der Universität.

Zwar hatte die Columbia Nungeßer nach internen Untersuchungen durch die Universität von den Vorwürfen freigesprochen, vor den Medien und wütenden Kommilitonen hatte sie ihn aber nicht geschützt. Sie gaben sogar seinen Namen an Journalisten weiter und sorgten so dafür, dass Nungeßer oft mit der Bezeichnung Vergewaltiger in Verbindung gebracht wurde. Außerdem sei ihm damals kein Rechtsbeistand gewährt worden, wie Nungeßer klagte. Auch als er nach einem Polizeischutz gefragt hatte, sei die Bitte des Studenten einfach ignoriert worden.

Währenddessen trug Emma Sulkowicz die Matratze weiter über das Universitätsgelände, sogar als Abschlussprojekt wurde ihr Protest anerkannt. Das New York Magazine bezeichnete die Aktion als „sexuelle Revolution an den Universitäten“.

Lange musste Nungeßer dafür kämpfen, dass die Universität die Folgen der Anschuldigen sowie ihr tatenloses Zusehen anerkannte. Drei Jahre verlangte er von der Columbia eine Entschuldigung. Das Statement der Universität ist der öffentliche Teil eines Vergleichs, auf den sich beide Parteien geeinigt hatten. Ob es eine finanzielle Entschädigung gibt, ist nicht bekannt.

 

Nungeßers Anwalt Andrew Miltenberg sagte gegenüber der Washington Post: „Dieser Fall zeigt, wie nachtragend die Bezeichnung als Vergewaltiger sein kann ­­­– und dass es einen verfolgt, egal, ob die Universität dich für unschuldig erklärt oder nicht.“ Der abgeschlossene Prozess gebe Paul Nungeßer nun die Möglichkeit, sein Leben normal weiterzuführen.

 

mad

 

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