Partner von

Eifersüchtig auf den Rucksack

Mit dem ersten Job beginnt in einer Beziehung auch das Geschachere um die Planung gemeinsamer Urlaube. Aber muss man die wenigen freien Tage als erstes dem Partner anbieten? Eine Sexkritik.
Von Valerie Dewitt
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Foto: flügelfrei / photocase.de

Diese Reise nach Südostasien war schon lange geplant. Drei Freundinnen, unsere Rücksäcke und ich. Drei Wochen lang durch den Schlamm stapfen, in Holperbussen über miese Straßen schaukeln und so viel Reis essen, bis wir uns endlich wieder auf Kartoffeln freuen. Das roch nach Studienabschluss, das fühlte sich gut an. 

So lange, bis ich meinem Freund davon erzählte. 

Seine erste Reaktion, als ich freudig am Telefon sagte, dass wir jetzt endlich gebucht hätten: „Na dann - viel Spaß.“ Keine Euphorie, aber auch keine Kritik. Eher ein unterschwelliges Schmollen. Ich bohrte nach. Ob er sich Sorgen mache, dass ich mit einem heißen Backpacker durchbrenne? Auch nicht. Hm. Angst, dass ich unter die Räder komme? Nö. Was war es dann? Nach mehrtägigem Wühlen kam schließlich raus: Er war beleidigt. Nicht unbedingt auf die Reise – Curry, Durchfall und Mücken interessierten ihn eher wenig – sondern weil ich ihn nicht zuerst gefragt hatte.  

 

Ohne den Partner in den Urlaub zu fahren, sollte prinzipiell okay sein. Aber was, wenn dann keine Zeit zu zweit mehr übrigbleibt?

 

Zu meiner Verteidigung muss ich hier einschieben: Das stimmte so nicht. Natürlich hatte ich von den Urlaubsplänen erzählt und auch, dass ich sie definitiv mit meinen Freundinnen schmiedete. Aber irgendwie hatte er nur selektiv zugehört. Dachte, das sei eine Spinnerei und noch nicht fix. Oder, dass er vielleicht mitkommen könne. Als ich die Flugtickets hatte, wurde ihm allerdings klar: Ich hatte gerade mehr als die Hälfte meines Jahresurlaubes nach Asien verplant. Abzüglich der Weihnachtstage würden ihm vielleicht noch sieben Tage Urlaub mit mir bleiben. Zu wenig. 

 

Die Frage nach der Urlaubsplanung ist ein Minenfeld. Bei Fernbeziehungen ist sie sogar ein atomarer Sprengkörper. Denn wer sich eh nur alle zwei Wochen sieht, hat einen vermeintlichen Anspruch darauf,  zumindest den Urlaub gemeinsam zu verbringen. Und zwar komplett. Das ist verständlich, aber leider auch komplett unrealistisch, wenn man parallel zur Beziehung noch Freundschaften mit anderen Menschen pflegen möchte – wozu auch gehören kann, gemeinsam wegzufahren.  

 

Die formidabelste Lösung ist dabei natürlich, wenn Partner und Freunde sich verstehen und man einfach gemeinsam verreist. Bei einem lange geplanten Urlaub mit Freundinnen macht man sich allerdings wenig beliebt, wenn man auf einmal sagt: „Mein Freund kommt übrigens auch mit“. Die zu erwartende Reaktion: „Aha, er lässt dich also nicht mal alleine raus“. Der Partner hat dann sofort den Ruf einer eifersüchtigen Klette weg, was auch nicht schön ist.

 

In unserem Fall war also die einzige Möglichkeit: beschwichtigen. Er sagte: „Was ist mit mir?“. Ich versuchte, ihn mit einer Woche Italien im Spätsommer zu vertrösten. „Langweilig“, so die Reaktion. New York? „Lohnt doch gar nicht“. Dann vielleicht ein paar verlängerte Wochenenden in verschiedenen Städten? Ich könnte ja mal einen Freitag oder Montag freinehmen. „Weiß ich nicht, wie das bei mir urlaubstechnisch dann ist“. Kurzum: Das Beziehungsgebälk knackste gewaltig. 

 

Irgendwann hörten wir auf zu diskutieren. Er ließ beiläufig fallen, dass er jetzt auch mit einer Gruppe Leute eine Reise plane. „Mit Jungs?“ fragte ich. Natürlich nicht, da wären auch Frauen aus seinem Seminar dabei. Fand ich nicht so richtig lustig, aber die Debatte „Wenn ich gleichgeschlechtlich fahre, musst du das auch“ wollte ich dann doch nicht führen. Angesäuert wünschte ich ihm viel Spaß. 

 

Das Ende der Geschichte war, dass er dann doch gar nicht wegfuhr („Kein Geld“) und ich schon. Im Urlaub hatte ich somit ein permanentes schlechtes Gewissen und meldete mich überproportional häufig. Richtig gut hat das weder der Beziehung, noch dem Verhältnis zu meinen Freundinnen getan. Jemand, der andauernd im Internetcafé nach Skype sucht, ist keine besonders spritzige Reisebegleitung. Trotzdem würde ich weiterhin darauf beharren, die kostbaren Urlaubstage nicht nur in die Beziehung, sondern auch in Freundschaften zu investieren. Allerdings sollte der Deal dann wohl umgekehrt laufen: Drei Wochen mit dem Partner und eine Woche Italien mit den Freundinnen. Dann erfüllt der Urlaub zumindest ansatzweise seinen Hauptzweck: Erholung.      

 

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