Japanische App warnt vor Orten sexueller Gewalt

Aber löst das tatsächlich Probleme?

Eine japanische App will unsichere Gegenden kennzeichnen. Ist das sinnvoll?

photocase.com /tosini

Sexuelle Gewalt ist ein Verbrechen, das seit jeher vor allem Kinder und Frauen in allen Teilen der Welt betrifft. In der Großstadt Fukuoka in Japan versucht man das Problem nun mit Hilfe einer kostenlosen App in den Griff zu bekommen: "Mimamotchi" warnt Benutzer durch eine Benachrichtung auf dem Handy, sobald diese an einen Ort kommen, an dem im vergangenen Jahr ein Sexualverbrechen stattgefunden hat. Orte, an denen Übergriffe häufiger vorkommen, sind auf dem Stadtplan rot markiert. Der Aufenthaltsort der Nutzer wird jeweils über GPS ermittelt. In den Einstellungen lässt sich außerdem festlegen, ab welcher Entfernung vom Ort des vergangenen Verbrechens benachrichtigt werden soll: Zwischen 100 Metern und 5 Kilometern ist alles möglich. Gerät ein Nutzer trotzdem in eine akute Gefahrensituation, erlaubt es die App auch, mit einer Berührung des Bildschirms einen Notruf abzusetzen.

Die App wurde von der japanischen Polizei bisher ausschließlich für den Bereich der Region Fukuoka entwickelt. Dort soll sie den Menschen eine Möglichkeit zur Prävention von Gewaltverbrechen bieten. Obwohl es laut Medienberichten schon viele positive Reaktionen auf die App gab, kann sie natürlich auch zu Problemen führen. Nicht nur hat sie das Potential dort Ängste zu schüren, wo vorher keine waren. Die App kann auch Ursache dafür sein, dass man sich in anderen Teilen der Stadt sicher wähnt und unvorsichtig wird. Außerdem birgt sie die Gefahr des Victim Blamings: Frauen, die an Orten sexuell belästigt werden, vor denen die App eigentlich warnt, werden eventuell zu hören bekommen, dass sie selbst Schuld an ihrem Schicksal seien – sie hätten schließlich ja auch die App nutzen können.

lat  

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