Eddies Riesenwellen sind da

Zum ersten Mal seit sechs Jahren findet der Superbowl des Big-Wave-Surfens statt.
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Kelly Slater beim Eddie 2009, als der Contest zum letzten Mal stattfinden konnte.

Foto: Hugh Gentry / Reuters

Eddie – der Name klingt eigentlich niedlich. Was aber am Mittwoch auf Hawaii passieren wird, ist alles andere als niedlich. Gestern verkündeten die Veranstalter, dass dann das erste Mal seit sechs Jahren wieder eines der spektakulärsten Ereignisse in der Surfer-Szene stattfinden wird - der Eddie. Der Contest ist deshalb so besonders, weil er an einem der fiesesten Big-Wave-Spots dieses Planeten ausgetragen wird. In der Waimea Bay auf der hawaiianischen Insel Oahu. Und zwar nur dann, wenn die Wellen wirklich riesig sind. Erst, wenn die Vorhersage Dünung von mehr als 20 Fuß ankündigt (was bedeutet: Die Wellen sind, wenn sie brechen, etwa 40 Fuß hoch, also 12 Meter), werden die Athleten benachrichtigt. Jeden Dezember treffen sie sich zu einer Eröffnungs-Zeremonie, ab dann stehen sie die ganze Wintersaison auf Abruf. 

Gestern kam die Nachricht: grünes Licht für den Eddie. Zum ersten Mal seit 2009. Auch das macht den Eddie so prestigeträchtig: Es kann sein, dass die Bedingungen jahrelang nicht stimmen. Was auch heißt, dass mancher Surfer in seiner Karriere nur eine Chance bekommt, daran teilzunehmen. John John Florence zum Beispiel, das hawaiianische Nachwuchs-Supertalent, wurde 2012 zum ersten Mal eingeladen (es kann nicht jeder teilnehmen, sondern nur, wer von der Big-Wave-Community und den Veranstaltern ausgewählt wird), wartet seitdem aber, sich in den Wellen beweisen zu können. Deshalb freute er sich gestern auf Instagram.

Der Eddie ist nicht nur ein Contest, er ist eine Gedenkfeier an einen hawaiianischen Nationalhelden

Benannt ist der Contest nach Eddie Aikau, einem hawaiianischen Helden der Szene aus den Sechzigern und Siebzigern. Er war nicht nur ein herausragender Surfer in großen Wellen, er war auch der erste Lifeguard in Waimea, und rettete dort Menschen vor dem Ertrinken - Schwimmer, vor allem aber Surfer. In den zehn Jahren, die er den Job machte, ist in seinen 500 Rettungsaktionen dort niemand ertrunken. Damals gab es keine Jetski oder Hubschrauber-Unterstützung wie heute, Eddie hatte nur Flossen und ein Board als Hilfsmittel. Und er sprang trotzdem jedes Mal ins Wasser, wenn andere zurückschreckten. Um Menschen zu retten oder um selbst zu surfen.

Daher stammt auch der Spruch, der zu einem Markenzeichen des Contests geworden ist: "Eddie would go" – der Satz wurde schon zu Eddies Lebzeiten ein Sprichwort unter Surfern – und ist es erst recht, seit Eddie 1978 ertrank. Er war mit einem traditionellen Segel-Kanu unterwegs. Es kenterte und trieb manövrierunfähig in der stürmischen See. Eddie paddelte irgendwann auf seinem Surfbrett los in Richtung Land, um Hilfe für die restliche Crew zu holen – Eddie would go. Er wurde nie wieder gesehen.

Diese Heldengeschichte trägt natürlich auch dazu bei, das Event zu etwas Besonderem zu machen. Es ist nicht nur ein Contest, es ist eine Gedenkfeier für einen hawaiianischen Nationalhelden und eine Ikone des Surfens. Eddies Familie ist nach wie vor an der Ausrichtung des Contests beteiligt. Bei der Eröffnungszeremonie werden die muskelbepackten Big-Wave-Surfer plötzlich sentimental und halten im Wasser in einem Kreis sitzend Händchen.

Morgen aber wird es wenig besinnlich: Die weite Bucht hat die Form eines riesigen Amphitheaters. Sie bietet perfekte Sicht für Zuschauer, beim letzten Mal im Jahr 2009 standen angeblich 30.000 Menschen an den Klippen und am Strand. 

Der Contest wird live im Internet übertragen. Die Surfer treten in zwei Runden an, die besten vier Wellen zählen. Der Eddie beginnt am Mittwoch-Mittag Hawaiianischer Zeit, also am späten Abend in Deutschland. Ganz Superbowl-mäßig eben. 

 

che

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