Geht ja gerade viel um Olympia. Um die Medaillen, die in Pyeongchang erkämpft werden. Um die Tatsache, dass Nord- und Südkorea vereint auflaufen. Vor allem auch um die (sport-)politischen Abgründe, die sich um die Winterspiele auftun.

Und dann ist da noch Howard.

Howard kommt aus Australien und hat chinesische Vorfahren, recht viel mehr ist über ihn nicht bekannt. Aber über Howard sprechen gerade sehr viele Menschen. Warum? Weil er im Rahmen der Olympischen Winterspiele ein Eishockey-Match besucht hat – als Imitator von Kim Jong-un.

Howard sieht dem nordkoreanischen Diktator sehr, sehr ähnlich, Specknacken und nach hinten gegelte Haare inklusive. Während des Spiels am Mittwoch stand er irgendwann auf und ging an einer Reihe nordkoeranischer Cheerleaderinnen vorbei, um sie zu grüßen. Die waren aber, na ja, nicht sonderlich begeistert, zumindest scheint ihr Blick das Gegenteil zu sagen.

In einem Interview in der australischen Radiosendung triple j sagte Howard, dass ihn dann drei Männer versucht hätten, aus der Arena zu treiben. Sie sollen ihn dabei auch gegen das Schienbein getreten haben.

Er ließ es sich aber natürlich nicht nehmen, den Zuschauern die Hand zu schütteln. Ist ja ein Staatsoberhaupt, gehört sich so.

Kurz drauf stand Howard irgendwo im Bauch des Stadions, umzingelt von südkoreanischen Polizisten. Die waren von seiner Aktion offensichtlich nicht sehr begeistert. „Was tun wir hier? Ist das ein Anstarr-Contest, Gentlemen?“, fragt er die Beamten um sich. Er sei doch nicht gewalttätig gewesen, er habe nur das Spiel angeschaut.

Die Polizisten ließen ihn schließlich auch wieder frei, allerdings erst nach dem Spiel. Howard dürfte das am Ende ziemlich egal, die Provokation dafür umso lieber gewesen sein. Er hat sich schon bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele als Kim Jong-un gezeigt – zusammen mit einem Donald-Trump-Double. Arm in Arm posierten sie für Fotos.

„Ich bin nicht nur ein Lookalike“, sagte Howard in dem oben genannten Radiointerview, „ich begreife mich als Satiriker“. Und Satire sei die Waffe, die Diktaturen am meisten fürchten.

 

jwh

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