Mittendrin im Super Bowl

Christoph "Icke" Dommisch berichtet für Ran vom NFL-Finale aus San Francisco. Ein Anruf.
Interview: Max Sprick
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Illustration: Julia Schubert

Christoph Dommisch ist der Moderator mit den längsten Haaren im deutschen Fernsehen. Mit den schönsten auch, wenn es nach dem 29-Jährigen selbst geht. Woche für Woche schalten mittlerweile mehr als eine Million Zuschauer ein, wenn Dommisch, den alle nur „Icke“ nennen, auf Sat1 vom American Football berichtet. Das Playoff-Halbfinale der NFL brachte einen Marktanteil von bis zu 20 Prozent, in der Nacht von Sonntag auf Montag werden noch mehr einschalten, wenn die Denver Broncos und die Carolina Panthers zum 50. Super Bowl in San Francisco aufeinandertreffen.

American Football ist in Deutschland beliebt wie nie. „Der US-Sport – mit all dem Theater drumherum – trifft bei den jungen Leuten den Zeitgeist“, glaubt Kommentator Frank Buschmann. Icke ist mittendrin im Theater. Ein Anruf in San Francisco.

jetzt: Frank Buschmann hat gesagt, ihr wollt so viele Leute wie möglich zum Football „bekehren“. Wie lebt es sich denn so als Priester, Icke?

Christoph: Je näher der Super Bowl rückt, desto mehr ist Buschi on Fire (lacht). Also, wenn so ein nerdiger und kruder Typ wie ich inzwischen als Priester durchgeht, war das ein gutes Jahr. Ich hätte nie erwartet, dass so viele Menschen plötzlich Football gucken. In der Regular Season haben im Schnitt etwa 500.000 Leute zugeguckt. In den Playoffs noch viel mehr. Scheinbar predigen wir das Richtige.

Liegt es nur an dir und den anderen Moderatoren und Kommentatoren, dass American Football plötzlich so beliebt in Deutschland ist?

Ich glaube, gerade in der jüngeren Zielgruppe der 14- bis 30-Jährigen hat der Football Aufsehen erweckt. Gefühlt jeder hat schon mal bei uns reingeguckt. Bemerkenswert, dass dieser Sport so begeistert – so richtig erklären kann ich mir das auch nicht. Nichtmal jeder US-Amerikaner versteht alle Regeln, wie sollen wir da alles checken? US-Sport war immer ein Nischenprodukt bei uns. Da findet aber gerade ein kleiner Wandel statt. Irgendein Zauber muss dahinterstecken.

Vielleicht ist der Zauber, dass es nicht nur um den Sport an sich geht?

Die Übertragung mit dem ganzen Drumherum spielt wahrscheinlich eine große Rolle, ja. Durch die vielen Kameras ist man als Zuschauer ganz nah dran. Du kannst dir das Gesicht eines Quarterbacks, der gerade heftig getackelt wird, in Super-Slomo reinziehen, siehst atemberaubende Zweikämpfe, Würfe, Fänge. Und dann ist es für uns scheinbar großes Glück, dass es ständig Unterbrechungen gibt. Da haben wir Zeit, Regeln zu erklären oder witzige Anekdoten zu erzählen. Vom traditionellen deutschen Sport kennt man das nicht.

Beim Super Bowl gucken weltweit fast 900 Millionen Menschen zu. Wie ist die Hysterie vor Ort?

Wahnsinnig. Wenn ich aus meinem Hotelfenster gucke, sehe ich Super Bowl-Plakate. Wenn ich in eine Bar gehe, läuft im Fernsehen Football. Auf den Straßen San Franciscos laufen überall Menschen mit Jacken und Schals der Teams rum. Alle hier sind total im Super-Bowl-Fieber.

Vergleichbar mit einer Fußball-WM bei uns?

Nein, nein, das auch wieder nicht. Bei einer WM entsteht eine völlig andere Euphorie. Vereine erzeugen dann doch nicht die gleiche Bindung wie ganze Länder.

Die Übertragung des Super Bowl beginnt um halb eins nachts und geht bis in den frühen Morgen. Dein Tipp: Wie bleibt man da wach?

In einer großen und gemischten Gruppe geht’s leichter. Trefft euch mit ein paar Jungs und Mädels, holt euch Snacks und ein paar Bierchen und lasst euch von dem Event berauschen. Ich empfehle auch den Second Screen: Unbedingt übers Handy mit anderen Zuschauern weltweit über den Super Bowl sprechen. Und natürlich uns über #rannfl  antwittern!

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