Die Bezwinger der Riesenwellen

Der spektakulärste Surf-Contest der Welt ist vorbei - hier sind die Highlights.
eddie darryl oumi getty imagesafp

Spaß und Schmerz können sehr nah beieinander liegen. Ramon Navarro (links) und Jamie Mitchell .

Foto: Darryl Oumi / Afp

Eigentlich waren sie schon vor ein paar Wochen angekündigt. Doch dann kamen sie nicht, die erwarteten Riesenwellen. Der Eddie-Contest wird aber nur dann angepfiffen, wenn die Dünung in der Waimea Bay auf Hawaii mindestens 20 Fuß hoch  sind – was bedeutet: Wenn die Wellen brechen, sind sie etwa 40 Fuß hoch, also 12 Meter. Zum letzten Mal war das 2009 der Fall, seitdem warten die Big-Wave-Surfer Winter für Winter, dass das Meer ihnen endlich wieder solche Monster schickt. 

Gestern war es soweit. Und die Wellen überschritten die geforderte Mindestgrenze oft deutlich. Clyde Aikau, der Bruder des verstorbenen hawaiianischen Lifeguards Eddie Aikau, zu dessen Ehren der Contest abgehalten wird, sagte am Morgen: „Ich surfe hier seit mehr als 40 Jahren. Und heute ist einer der besten Tage, die ich in dieser Zeit gesehen habe.“

Dementsprechend heftig war das, was die Tausenden von Zuschauern am Strand zu sehen bekamen: Ritte auf – und Stürze von – riesigen Wellen, die jeden Normalsterblichen zerfetzen würden; Lifeguards auf Jetskis, die zwischenzeitlich auch vor einer Überraschungs-Supersize-Welle an den Strand fliehen mussten; und den 59-jährigen Ross Clarke Jones, der den Contest lange dominierte. Denn beim Big-Wave-Surfen zählt weniger ein jugendlich-frischer Körper, sondern Erfahrung. Widerlegt wurde diese Regel in diesem Jahr allerdings durch den erst 23-jährigen John John Florence, der den Contest gewann. Wobei auch er schon einige Erfahrung hat: Er ist an der Nordküste Hawaiis aufgewachsen und begann schon als Kind zu surfen, als er er gerade einmal aufrecht stehen konnte.

Die Highlights des Eddie 2016 in Videos:

Benannt ist der Contest nach Eddie Aikau, einem hawaiianischen Helden der Szene aus den Sechzigern und Siebzigern. Er war nicht nur ein herausragender Surfer in großen Wellen, er war auch der erste Lifeguard in Waimea, und rettete dort Menschen vor dem Ertrinken - Schwimmer, vor allem aber Surfer. In den zehn Jahren, die er den Job machte, ist in seinen 500 Rettungsaktionen dort niemand ertrunken. Damals gab es keine Jetski oder Hubschrauber-Unterstützung wie heute, Eddie hatte nur Flossen und ein Board als Hilfsmittel. Und er sprang trotzdem jedes Mal ins Wasser, wenn andere zurückschreckten. Um Menschen zu retten oder um selbst zu surfen.

 

Daher stammt auch der Spruch, der zu einem Markenzeichen des Contests geworden ist: "Eddie would go" – der Satz wurde schon zu Eddies Lebzeiten ein Sprichwort unter Surfern – und ist es erst recht, seit Eddie 1978 ertrank. Er war mit einem traditionellen Segel-Kanu unterwegs. Es kenterte und trieb manövrierunfähig in der stürmischen See. Eddie paddelte irgendwann auf seinem Surfbrett los in Richtung Land, um Hilfe für die restliche Crew zu holen – Eddie would go. Er wurde nie wieder gesehen.

 

Diese Heldengeschichte trägt natürlich auch dazu bei, das Event zu etwas Besonderem zu machen. Es ist nicht nur ein Contest, es ist eine Gedenkfeier für einen hawaiianischen Nationalhelden und eine Ikone des Surfens. Eddies Familie ist nach wie vor an der Ausrichtung des Contests beteiligt. Bei der Eröffnungszeremonie werden die muskelbepackten Big-Wave-Surfer plötzlich sentimental und halten im Wasser in einem Kreis sitzend Händchen.

 

che

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