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„Work and Travel“-Reisende werden in Australien ausgebeutet

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zweier Universitäten in Sydney.
  • ayers quadr
    Foto: Mark Kolbe / Getty Images

Für viele junge Menschen sieht der ideale Plan nach dem Abi, dem Bachelor oder dem Master genau so aus: ein Jahr lang als Backpacker durch Australien reisen. Mal hier arbeiten, mal dort, immer nur so lange, bis genug Geld für die Weiterfahrt zusammen ist. Die Zahlen bestätigen das: Fast 35.000 Deutsche zwischen 18 und 30 Jahren haben 2016 ein Working Holiday Visum beantragt – jenes Visum, das man benötigt, um in Australien reisen und arbeiten zu dürfen.

 

Am Dienstag wurde nun allerdings die Studie „Wage Theft in Australia“ veröffentlicht, die eine unschöne Realität zu belegen scheint: Australische Arbeitgeber sollen Backpacker bewusst ausbeuten, um ihre wirtschaftliche Bilanz nach oben zu schrauben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die die University of New South Wales in Kooperation mit der University of Technology in Sydney durchgeführt hat.

 

Rund 4.300 Teilnehmer sollen per Online-Befragung an der Studie teilgenommen haben. Viele von ihnen scheinen deutlich unter dem australischen Mindestlohn verdient zu haben, der mit 13,84 US-Dollar pro Stunde verhältnismäßig hoch ist. Ein Viertel der Work-and-Traveller sollen sogar unter neun US-Dollar verdient haben. Besonders schlecht bezahlen der Studie zufolge Obstplantagen – ausländische Erntehelfer verdienen dort oft nur die Hälfte des Mindestlohns.

 

In Australien entsprechen internationale Backpacker und Mini-Jobber elf Prozent aller Arbeitnehmer. Schlechte Bezahlung ist für die Arbeitgeber also durchaus lukrativ. Oftmals nutzen diese aus, dass Backpacker auf derlei Jobs angewiesen sind, um sich ihre Reise zu finanzieren.

 

Im vergangenen Jahr kam der australische Senat bei einer ähnlichen Untersuchung zum gleichen Ergebnis: Er bezeichnete die Situation damals als „nationale Schande“.

 

Die Macher der Studie haben im Zuge der Veröffentlichung allerdings Mängel eingeräumt. Einer davon: dass die Befragung online stattgefunden hat. Ein anderer: sie war anonym – im Zweifelsfall konnten Menschen also mehrmals teilnehmen.

 

jwh

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