Das „Hotel Mama“ ist kein echtes Phänomen, sagen Statistiker

Junge Menschen wohnen nicht deshalb zu Hause, weil es so gemütlich ist, sondern weil sie sich keine eigene Wohnung leisten können.
Foto: calmate / photocase

Die Generation der Millennials wird bekanntlich für fast alles Schlechte in dieser Welt verantwortlich gemacht: Sie suchen zu selten online nach großen Brüsten, sie sind faul, zu schlecht ausgebildet, futtern die ganze Zeit Avocadotoast, anstatt sich für das Geld ein Haus zu kaufen, etc.pp.

Ein Vorwurf, den junge Menschen in der vergangenen Zeit auch sehr häufig gehört haben, ist, dass sie nicht in der Lage sind, sich von ihren Eltern ordentlich abzugrenzen. So wie es früher üblich war, als man sich für seine Nazi-Eltern wenigstens noch ordentlich schämen konnte. Stichwort „Hotel Mama“, Stichwort „Mama ist meine beste Freundin“. 

Doch jetzt bekommen junge Menschen, die noch zu Hause wohnen, Rückendeckung aus einer besonders seriösen Ecke: nordrhein-westfälische Statistiker haben laut Nachrichtenagentur dpa Zweifel am Phänomen Nesthocker bei jungen Erwachsenen.

Zum einen hat das Statistische Landesamt NRW festgestellt, dass die Zahl dieser Menschen zurückgegangen sind. Während 2006 in NRW noch 61 Prozent der 18- bis 25-Jährigen zu Hause wohnten, waren es zehn Jahre später nur noch 59 Prozent. Zum anderen wohnen junge Menschen in der Regel nicht deshalb noch zu Hause, weil sie das so unfassbar gemütlich und bequem finden. Vielmehr hat das vor allem finanzielle Gründe. Denn gerade mal jeder fünfte der Nesthocker hat ein eigenes Einkommen. Dagegen haben 37 Prozent derjenigen, die eine eigene Wohnung haben, einen Job.

Haben Eltern einen Migrationshintergrund oder niedrige Bildungsabschlüsse, ist der Anteil der Nesthocker höher. Denn diese Eltern sind vermutlich finanziell nicht in der Lage, ihren Kindern unter die Arme zu greifen und einen ersten eigenen Hausstand zu bezahlen. Angesichts gestiegener Mieten und beruflich unsicherer Zeiten ist es vermutlich kein Wunder, dass junge Menschen ein wenig länger brauchen, sich selbständig zu machen.

Und immerhin einen großen Trost haben die Statistiker auch gleich mitgeliefert: Wer heute noch immer zu Hause wohnt und Angst hat, sich nie von den eigenen Eltern lösen zu können, dem sei gesagt, dass die Statistik eine andere Sprache spricht: Im Alter on 40 Jahren wohnen laut Statistischem Bundesamt nur noch vier Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen bei ihren Eltern.

 chwa  

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