Die Schriftart, die deine Hausarbeit länger wirken lässt

Und genauso aussieht wie Times New Roman.
Foto: Wes Hicks / Unsplash / timesnewerroman

Fast jeder Student kennt das Problem: Das Semester ist zu Ende und es wartet noch eine Hausarbeit, die geschrieben werden muss. Die Vorgaben vom Prof sind klar: Zehn Seiten, Schriftgröße 12, Times New Roman.

Und wenn man als verzweifelter Student so gar nicht reinkommt ins Thema oder die Forschungsfrage sich einfach nicht so schön beantworten lässt, wie erhofft, suchen viele nach Wegen, den Text in die Länge zu ziehen. Zwischenüberschriften, mehr Absätze, Fußnoten, wo es eigentlich keine braucht – Studenten werden erfinderisch, wenn es darum geht, wissenschaftliche Arbeiten zu straffen. Jetzt gibt es eine Schriftart, die Texte länger aussehen lässt

Die Internet-Marketing-Firma MSCHF hat die neue Schriftart Times Newer Roman entwickelt, die der eigentlichen Schriftart Times New Roman zum Verwechseln ähnlich sieht. Doch ist sie subtil verändert, Buchstaben und Abstände sind etwa fünf bis zehn Prozent breiter als im Original. Damit wirken wissenschaftliche Essays und aufwändige Hausarbeiten länger, als sie eigentlich sind.

Laut der Website von Times Newer Roman benötigt ein 15-seitiges Dokument in Schriftgröße 12 mit der neuen Schrift 5833 Wörter und damit über 800 Wörter weniger, als mit der herkömmlichen Times New Roman. Das entspricht mehr als drei Seiten in Word.

Die Pseudo-akademische Schrift ist eine Open-Source-Schriftart, die die klassischen Buchstaben und Satzzeichen von Times New Roman imitiert. Das gelingt deswegen so gut, weil die Höhe unverändert bleibt.

Die Schriftart, die das Schummeln erleichtert, ist im Internet verfügbar. Nutzlos ist sie dann, wenn Professoren oder Dozenten eine strikte Wortanzahl vorgeben.

Außerdem ist sie nur dann „hilfreich“, wenn die Arbeit gedruckt oder als PDF-Datei eingereicht werden muss.

Zwar kann man inhaltlich magere Texte mit der neuen Schriftart in die Länge ziehen, Betrug ist es aber dennoch, weil man die eigentlichen formellen Vorgaben hintergeht.

Sollte also herauskommen, dass mit Times Newer Roman, statt mit der üblichen Schriftart Times New Roman gearbeitet wurde, kann das für den Betrüger Konsequenzen haben.

csö