Assuan-Stausee bis Zürichsee: Das ABC der Binnengewässer

Es gibt viele Seen auf dieser Welt, die eine Reise wert sind. Hier sei für jeden Buchstaben des Alphabets einer vorgestellt.
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A wie Assuan-Stausee, Ägyptens einziger See.

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Illustration: Julia Schubert

Von Walter Saller

Seit dem 15. Januar 1971 entspringt der Nil in Ägypten weniger seinen Quellen im ostafrikanischen Hochland als dem gewaltigen See von Assuan. Weil auf diesen Tag die Einweihung des Staudamms von Assuan fällt. »Sadd el-Ali« nennen die Ägypter das Bollwerk. Hoher Damm. Und der berühmte ägyptische Sänger Abdel Halim Hafiz komponierte sogar eine Ode an den Damm: »!Oh, du Erhabener!« Hinter der 111 Meter hohen, 3,8 Kilometer langen und 40 Meter breiten Wand aus Schotter, Lehm und Beton staut sich das Wasser. Es füllt Zungen, Becken und Wannen, Risse und Spalten im oberägyptischen Bergland. 400 Kilo-meter dehnt sich der künstliche See von Assuan nach Süden aus. Bis in den Sudan hinein.

Die Flutung begann bereits im Jahr 1964. Noch während des Baus und hinter der wachsenden Mauer. Sie dauerte bis 1976. Erst nach fast zwölf Jahren hatte sich der drittgrößte Stausee der Welt gefüllt. Da die aufgestauten Nilfluten drohten, die grandiosen pharaonischen Denkmäler Nubiens unter sich zu begraben, wurden die bedeutendsten von ihnen zerlegt. Und mit Hilfe der UNESCO hoch über dem Wasserspiegel des neuen Sees wiederaufgebaut. Wie die Tempel von Abu Simbel und von Philae. Wenn man auf der Mauerkrone des Damms steht und nach Süden blickt – dorthin, wo See und Himmel ineinanderfließen, beginnt man die Masse und die Gewalt des aufgestauten Wassers zu ahnen. Und ein Gelehrter hat einmal ausgerechnet, dass – bräche der Damm – die Flutwelle selbst Kairo verwüsten würde. Der See von Assuan würde sich dann in eine Walze aus Wasser verwandeln. In einen Tsunami aus der Sahara.

Wohnen: Old Cataract Aswan (Sofitel), Assuan, Ägypten, Tel. 0020/97/ 2316000, DZ ab 89 Euro. Das Hotel mit 131 Zimmern thront seit 1899 auf einem Fels über dem Nil. Gästeliste: Winston Churchill, König Farouk, Agatha Christie. Ihr Roman »Tod auf dem Nil« ist hier entstanden.

Essen: Im maurischen Speisesaal des Old Cataract. Serviert wird französische und internationale Küche.

Unbedingt: in Assuan auf den Markt der Gewürze gehen.

Z wie Zürichsee, zu Füßen des Uetlibergs. 

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Illustration: Julia Schubert

Von Susanne Schneider 

Regenschnüre, Wolken, ein Grau, als laste alles Gewicht dieser Erde über Zürich. Vom See nicht mal eine Ahnung. Was für eine Geschichte soll das werden? Man schickt mich nach Zürich, quartiert mich in diesem edlen Hotel am See ein, »Baur au Lac«, zwischen mir und dem Ufer liegen hundert Meter, aber der Himmel gibt mir keine Chance, es zu erkennen. Hell und leuchtend ist der See nur in meiner Erinnerung: Schwimmen hab ich hier gelernt, da war ich vielleicht fünf, und geknutscht habe ich hier, hallo Clemens, auf den Holzflößen im Seebad Enge, da war ich vielleicht 19.

 

Joe Cocker holt sich Semmeln und Marmelade. Jetzt im Ernst: Da steht wirklich Joe Cocker neben mir am Frühstücksbuffet des »Baur au Lac«. Und nun soll ich raus und rauf auf den Uetliberg, den Hausberg der Zürcher, mit einem Blick über den See und die Stadt und die Alpen, also unbeschreiblich. Eben, nicht zu beschreiben bei dem Regen! So viel Trost bietet der Gipfel den Städtern ab November, wenn Nebel über Zürich liegt, die Spitze des Uetlibergs aber in der Sonne. Und weil man mit dem Auto nicht hinauf darf, fahren die Menschen mit der Tram zur Uetlibergbahn und nehmen in Kauf, dass sie sich dort oben drängen wie die Sardinen. Wenn oben Sonne scheint, tragen die Trambahnen 8, 13 und 14 Schilder »Uetliberg hell«. Und noch fünf Minuten Fußmarsch nach der Endstation – bis hier ist alles graue Theorie. Ich blieb unten. Am nächsten Tag aber, nach dem Frühstück, herrschte ein Wetter zum Heldenzeugen, ich fuhr auf den Uetliberg, ging auf den Aussichtsturm, sah über den See, trank Kaffee im Hotel »Uto-Kulm« und dachte an Anke Engelke. Die stand nämlich an diesem Morgen neben mir am Frühstücksbuffet. Ich möchte bald wieder hin. Ich setze stark darauf, dass dann Bruce Willis da ist.

 

Wohnen: Hotel Baur au Lac, Grand Hotel am See, Talstr. 1, Zürich, Schweiz. Tel. 0041/44/2205020, www.bauraulac.ch, DZ 492 Euro.

 

Essen: Amalfi, vorher reservieren, Mainaustr. 23, Zürich, Tel. 4979686; www.amalfi-zh.ch.

 

Unbedingt: bei Schnee vom Uetliberg bis nach Zürich rodeln (Schlitten mitbringen). Sauna am See, im Stadtteil Enge, im Winter täglich 11–23 Uhr, Montag nur Frauen. Abkühlen im See; www.seebadenge.ch.

 

Die Seen zwischen A und Z findest Du auf sz-magazin.de

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