Christian Ude: Die Stadt bin ich

Bald ist wieder Wahl, und nichts wird sich ändern: Christian Ude war, ist, bleibt der Oberbürgermeister von München. Hat der Schwabinger Sonnenkönig sein Reich nicht ein bisschen arg fest im Griff?
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Illustration: Julia Schubert

Von Frank Müller (Text); Ulrike Frömel (Bild)

Christian Ude im Glockenspiel des Münchner Rathauses. Auch seine Regentschaft erinnert an die Zeiten absolutistischer Herrscher.

Es muss gleich zu Beginn dringend klargemacht werden, welch einen Glücksfall Christian Ude darstellt – ein Sachverhalt, den man gar nicht oft genug betonen kann in München, wenn man es gut meint mit Ude, und das tut hier jeder. In dieser Stadt gehört es zum guten Ton, ihn als brillant, großartig, witzig – als einen Glücksfall eben zu bezeichnen.

Und dann geht man auf einen Termin, das kann die letzte kommunalpolitische Pflichtübung sein, eine Krippeneröffnung, ein Vereinsjubiläum, eine Lehrlingsfreisprechung. Und was soll man sagen: Er spricht brillant, großartig und witzig, als Redner ist und bleibt er ein, tja, Glücksfall. Immer. Ude hält nie eine schlechte Rede. Ude ist nie witzlos. Ude lässt es nie an Esprit fehlen. Und das 15 lange Jahre als Münchner OB. Kann das wahr sein?

Offensichtlich ja. In München tobt der Wahlkampf, am 2. März ist OB- und Stadtratswahl. Als Ude sich dieser Tage mit seinem CSU-Herausforderer Josef Schmid zu einem ersten Wahlkampf-Höhepunkt trifft, nämlich einem TV-Kandidatenduell, da tut Schmid zwar viel, um auf Augenhöhe mitzuhalten und vergessen zu lassen, dass er jahrelang als Seppi Schmid Stadtteilpolitik am Stadtrand gemacht hatte. Doch irgendwann kommt eben der vernichtende Vollstreckersatz aus dem Munde Christian Udes. Nicht mit dem Säbel, sondern mit dem leichten Florett, genauso zustoßend und durchdringend allerdings. Schmid legt dar, was er am Islam als nicht zum europäischen Kulturkreis gehörend empfindet, und verweist darauf, viele muslimische Mädchen dürften vor der Ehe keinen Freund haben. Er habe nicht gewusst, kontert Ude trocken, dass das Recht auf vorehelichen Verkehr nun schon zum abendländischen Wertekanon gehöre. Das genügt, damit alle wissen, wer in München der Schmid ist und wer nur der Schmidl.

 

Den zweiten Teil des Textes findest du auf sz-magazin.de.

 
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