Das Street-View-Auto

Spionage! Datenschutz! Privatsphäre - die Debatte um Google Street View wurde hysterisch geführt. Das SZ-Magazin wollte wissen, wie die Straße reagiert. Also haben die Kollegen das "Google Street View Car" nachgebaut und sind damit durch Deutschland gefahren.
jetzt-redaktion
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Illustration: Julia Schubert

Noch bevor wir die Kamera aufs Autodach montiert haben, hören wir das erste »Fickt euch«. Eine junge Frau starrt uns böse an, stapft dann weiter. Der erste Test ist geglückt: Unsere Kamera-Attrappe scheint täuschend echt. Wir ziehen die letzten Muttern der Stützstreben fest und wuchten das Ding, 1,50 Meter hoch, 30 Kilo schwer, auf die Dachgepäckträger unseres schwarzen Opel Astra. Mit genau solchen Autos ist auch Google durch Deutschland gefahren. Noch die Magnetschilder mit dem Google-Firmenlogo auf die Vordertüren – und los. Der Versuch: Wir wollen herausfinden, wie die Menschen reagieren, wenn plötzlich das Google-Auto vor ihnen steht, von dem sie in den vergangenen Wochen ständig in den Zeitungen lasen. Der Tenor reichte von »Datenkrake Google« bis »Alles nicht so schlimm (auf Facebook geben wir nämlich deutlich mehr von uns preis)«. Zwei Tage sind wir mit unserem nachgebauten Google-Street-View-Auto durch Berlin und München gefahren. Die Stationen: Prenzlauer Berg in Berlin und Gärtnerplatzviertel in München, dort wohnen jeweils aufmerksame Eltern und Linke mit Geld; Reichstag und Marienplatz, beides Touristenzonen; Berlin-Kreuzberg, wo die Menschen gegen Vorratsdatenspeicherung und Kapitalismus demonstrieren; München-Grünwald, wo die wirklich Reichen zu Hause sind; Berlin-Neukölln (viele Migranten); München-Straßlach (ländliches Vorortidyll). Was die Kollegen im nachgebauten "Street View Auto" erlebt haben, steht morgen im SZ-Magazin in der Geschichte Bitte alle mal herschauen!

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