Diagnose Krebs: Der Feind in uns

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Von: Rainer Stadler 

Als Forscher der Hamburger Uniklinik vor einigen Monaten erklärten, sie hätten ein Gen entdeckt, das bei der Entstehung von Brustkrebs eine zentrale Rolle spielt, versetzte das nur ein paar Experten in Aufruhr. Sicher, die Boulevardzeitungen, vor allem aus dem Raum Hamburg, titelten am nächsten Tag: »Forscher besiegen den Brustkrebs«. Aber dann war das Thema wieder in den Fachblättern verschwunden. Dabei hätten beispielsweise die sechs Millionen Frauen, die sich Jahr für Jahr allein in Deutschland einer Mammografie unterziehen, und auch die knapp 50000 Frauen, die hier jedes Jahr an dieser Tumorart erkranken, sicher gern gewusst, wie die Geschichte weiterging. Oder vielleicht doch nicht?

Vielleicht will ja auch niemand mehr an einen Sieg über den Krebs glauben, weil dieser Sieg in den vergangenen Jahren zu oft vermeldet wurde. Nicht nur in der Bild-Zeitung, auch in der seriösen Presse wie dem amerikanischen Magazin Time, das wiederholt eine »neue Wunderwaffe gegen den Krebs« präsentierte, die sich jedes Mal als ziemlich stumpfes Schwert entpuppte. Der Nobelpreisträger und DNA-Entdecker James Watson prognostizierte 1998 sogar, Forscher seien in zwei Jahren in der Lage, Krebs zu heilen. Und im Jahr 2004 versprach Andrew von Eschenbach, Direktor des National Cancer Institute in Maryland, der weltgrößten Einrichtung für Krebsforschung, man werde innerhalb der nächsten zehn Jahre Krebs als Todesursache eliminiert haben. Auch davon kann nach jetzigem Stand keine Rede sein.

7,7 Millionen Menschen starben vergangenes Jahr weltweit an der Krankheit, darunter mehr als 200000 Deutsche. Aller Voraussicht nach wird Krebs die Herz- und Kreislauferkrankungen in 15 Jahren als Todesursache Nummer eins in den Industriestaaten ablösen. Deprimierende Zahlen. Und doch gibt es gute Gründe, die Arbeit der Menschen zu verfolgen, die hinter den zumeist verschlossenen Türen ihrer Labors einen zähen, ja, oftmals aufopferungsvollen Kampf gegen diese Krankheit ausfechten: Zum einen hat die Verbesserung der herkömmlichen Behandlungsmethoden – Operation, Bestrahlen und Chemotherapie – dazu geführt, »dass etwa 50 Prozent der Krebspatienten heute langfristig überleben«, erklärt Otmar Wiestler, der Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. »Das ist zwar immer noch viel zu wenig, aber doch eine gewaltige Verbesserung: Vor 25 Jahren waren es gerade mal 25 Prozent.«

 

Den zweiten Teil der Geschichte findest du auf sz-magazin.de.

 
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