Die Beatles: Der Auftakt

Vor genau fünfzig Jahren schnippte der Weltgeist mit den Fingern, denn in Liverpool begegneten sich zwei Teenager namens John und Paul.
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Illustration: Julia Schubert

Von: Johannes Waechter 

Als die Glocken von St. Peter’s elf Uhr läuten, landet eine Elster auf dem Grab von John Lennons Onkel George. Alte Damen tragen Blumen in die Kirche und an der Straße hält ein Taxi mit drei Japanern. Zielstrebig gehen sie auf den alten Teil des Friedhofs, um den Grabstein einer gewissen Eleanor Rigby zu fotografieren, die hier 1939 zur Ruhe gebettet wurde. Dann spähen sie durch die Hecke, die den Friedhof vom Pausenhof einer Grundschule trennt. Da hinten! Dort muss es gewesen sein!

Vor fünfzig Jahren stand hinter der Hecke noch keine Schule. Auf der unbebauten Gemeindewiese hatte man am 6. Juli 1957 Stände und Buden errichtet, außerdem eine kleine Bühne. Es war der Tag des alljährlichen Sommerfestes der Kirchengemeinde von Woolton, eines Stadtteils im Süden von Liverpool. Nichts Besonderes passierte an diesem Tag – außer dass sich zwei Teenager kennenlernten: John Lennon und Paul McCartney.

Am Morgen jenes Sommertags packt der 18-jährige Colin Hanton, Polsterer-Lehrling und Schlagzeuger in John Lennons Band, den Quarrymen, seine Trommeln in einen alten Koffer. Mit den Instrumenten unterm Arm geht er von seinem Elternhaus in der Heyscroft Road zur Kirche hinauf. »Es war ein schöner Tag«, erzählt der inzwischen ergraute Hanton, »und uns bedeutete es viel, dort zu spielen. Das Gemeindefest von St. Peter’s ist einer der Höhepunkte im Kalender von Woolton. Unsere Eltern waren da, Freunde und eine Menge Mädchen.«

Die Feier beginnt um drei Uhr. Einige hundert Menschen tummeln sich auf der Gemeindewiese. Die Kinder sammeln sich an den Spielbuden, die Erwachsenen applaudieren, als ein 13-jähriges Mädchen zur Rosenkönigin gekrönt wird. Im Pfadfinderzelt warten die Quarrymen auf ihren Auftritt. Ihr Sänger und Anführer John Lennon trägt ein kariertes Hemd und schwarze Röhrenhosen. Seine Haare hat er sorgfältig frisiert: Die Seiten sind mit Pomade zurückgeschleimt, eine rebellische Locke fällt ihm in der Stirn. Lennon hat bereits einige Flaschen Bier getrunken.

 

Um Viertel nach vier steigen die Quarrymen auf die Bühne am Rand der Wiese, kurze Zeit später trifft Paul McCartney auf dem Fest ein. Er ist mit dem Fahrrad aus dem benachbarten Stadtteil Allerton herübergefahren, hat seine Gitarre auf den Rücken geschnallt. »Ich weiß noch genau, wie ich auf das Fest gekommen bin«, erzählte er später. »Es gab einen Stand, wo man auf Kokosnüsse werfen konnte. Und eine Band, die auf einer kleinen Bühne auftrat.« Die Quarrymen spielen Skiffle- und Rock’n’Roll-Songs, ihr Enthu-siasmus entschädigt für das geringe musikalische Niveau. Als eifriger Rock’n’Roll-Fan merkt McCartney sofort, dass Lennon den Text vieler Lieder nicht beherrscht und neue Textzeilen improvisiert. »Das hat mir gefallen und er sang wirklich gut.«

 

Hier geht es zum zweiten Teil der Geschichte auf sz-magazin.de

 
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