Die letzten Tage des Steve McQueen

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Von: Barbara McQueen 

»Gesprengte Ketten«, »Thomas Crown ist nicht zu fassen«, »Le Mans«, »Papillon«: In den Sechziger- und Siebzigerjahren war er der coolste Kerl des amerikanischen Films – doch gegen Ende seines Lebens wandte sich der Schauspieler Steve McQueen immer mehr von Hollywood ab. Bis zu seinem Tod 1980 lebte er meist zurückgezogen in Kalifornien mit seiner Frau. Hier erzählt sie zum ersten Mal von dieser Zeit.

Ich war auf den Titelseiten von Cosmopolitan, Harper’s Bazaar, Glamour und Elle, ich hatte eine große Fotostrecke in der berühmten Bademoden-Ausgabe von Sports Illustrated. Anders gesagt: Ich war Anfang zwanzig, Model und gut im Geschäft. 1977 erhielt ich einen Anruf, der mein Leben verändern sollte. Nina Blanchard, meine Agentin aus Los Angeles, meinte, Steve McQueen habe in einer Zeitschrift eine Club-Med-Reklame mit mir gesehen und wolle, dass ich für eine Rolle in seinem neuen Film vorspreche. Das klang gut.Am Wochenende des 4. Juli trafen wir uns zum Essen im noblen »Beverly Wilshire Hotel«, wo Steve als Dauergast eine Suite in den oberen Etagen bewohnte. Nina war mitgekommen, um ein Auge auf mich zu haben.

Steve hatte lange Haare, einen Bart und sah eher aus wie ein Hippie vom Strand als ein internationaler Filmstar. Anders als in seinen Filmen, in denen er oft den Schweigsamen gab, war er ziemlich mitteilungsbedürftig. Eine richtige Plaudertasche. Er sprach über seine Kinder, seine schwierige Jugend und sein verrücktes Leben. Zwei Stunden lang unterhielten sich Steve und Nina, die ungefähr gleich alt waren, und tauschten Kindheitserinnerungen aus. Ich saß da, hörte zu und staunte. Ich mochte ihn sofort. Am Ende der Unterhaltung sagte Steve, er würde mich gern in seinem nächsten Film, Ich, Tom Horn, in der Rolle einer indianischen Ehefrau sehen. Ganze fünf Minuten ging er auf die Rolle ein. Wer den Film kennt, weiß, dass da gar keine indianische Ehefrau vorkommt. Die ganze Sache war nur vorgetäuscht, Steve hatte alles inszeniert, um mich kennenzulernen.

Nach dem Treffen tadelte mich Nina, weil ich kaum etwas gesagt hatte: »Konntest du nicht einmal den Mund aufmachen?« Ich konnte selbst kaum glauben, was ich antwortete. »Ich werde diesen Mann heiraten!«, rief ich. »Ich liebe ihn!« Nach drei Monaten mit Ferngesprächen, Wochenendbesuchen und einer Flut an Briefen rief mich Steve in Idaho an und fragte mich, ob ich nach Kalifornien ziehen wolle, um mit ihm zusammenzuleben. »Pack deine Sachen, ich komm und hol dich ab.« Ich hatte kaum Zeit, darüber nachzudenken, aber das spielte auch gar keine Rolle. Steve hatte Anspruch auf mich erhoben. Ein »Nein« hätte er nicht akzeptiert.Wir fuhren nach Trancas Beach, nördlich von Malibu, nahe dem Pacific Coast Highway. Dort wohnte Steve in einem großartigen dreistöckigen Haus aus Holz und viel Glas. Man hatte einen Panoramablick auf den Pazifik und die wunderbaren Dünen, einen Steinwurf vom Wasser entfernt.

 

Den zweiten Teil der Geschichte findest du auf sz-magazin.de 

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