Eine Frage der Haltung

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Von: Sabine Magerl und Bastian Obermayer (Text) 

Das seltsame Verhalten von Mops Elias gab seinem Besitzer zu denken. Wann immer er beim Spaziergehen stehen blieb, um ein paar Worte mit den Nachbarn zu wechseln, hob Elias das Bein und urinierte auf die Schuhe seines Halters. Der konsultierte Verhaltenstherapeut fand heraus: Elias langweilte sich schlichtweg, solange sein Besitzer sich unterhielt. Wenn er ihn anpinkelte, so lernte Elias, passierte etwas: Aufgeregte Menschen beugten sich herunter, hüpften um ihn herum und setzten endlich den Spaziergang fort. Also ignorierte Elias’ Besitzer fortan die Urinattacken, bis dem Mops auch das Pinkeln zu langweilig wurde.

Vor einigen Jahren wäre die erste Reaktion auf diese Geschichte gewesen: Verhaltenstherapeut? War nicht eben von einem Hund die Rede? Mittlerweile ist die enge Bindung zu unseren Haustieren völlig selbstverständlich geworden. In Deutschland gibt es mehr als 23 Millionen Haustiere, die meisten von ihnen zählen zum erweiterten Familienkreis und sind oft Ersatz für Lebensgefährten, Kinder oder Enkelkinder. In einer wissenschaftlichen Studie gaben 54 Prozent der Hunde- und 39 Prozent der Katzenbesitzer an, den Geburtstag ihres Tieres zu feiern. In einer anderen sagten drei von vier Haustierhaltern, das Leben mit einem Haustier mache einfach mehr Spaß.

Stellt sich die Frage: Sehen die Tiere das eigentlich genauso? Oder fristen die Hunde, Katzen, Hamster und Vögel an unserer Seite ein eher ödes Leben? Und: Wie geht es denen denn so, gesundheitlich?

 

»Haustiere sind hervorragend angepasst, sie haben alle Voraussetzungen, dass es ihnen in Menschenhand gut geht«, sagt Norbert Sachser, Professor für Verhaltensbiologie in Münster. Sie haben sich in Jahrtausenden an die Eigenarten der Menschen gewöhnt – die hektischen Bewegungen, das lärmende Wesen, die nervigen Kinder – und der Mensch hat sie im Gegenzug ziemlich genau erforscht. Die Tiermedizin macht rasante Fortschritte, weshalb die Lebenserwartung fast aller Haustiere immer weiter steigt.

 

Vorsichtig geschätzt ist jeder dritte deutsche Hund zu dick und mindestens jedes dritte Haustier verhaltensgestört. Mehr über unsere Haustiere erfährst du auf sz-magazin.de.

 

Dass das seltsame Miteinander von Mensch und Haustier bisweilen wunderbar komische Momente ergibt, zeigen wir dir in einer Bildergalerie auf sz-magazin.de.

 
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