Gilette vs. Wilkinson: Ein Kampf bis aufs Messer

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Von: Lars Reichardt und Johannes Waechter

Die Kommunikationsabteilung von Wilkinson Sword schweigt. »Ich bin nicht autorisiert, mit Ihnen zu reden«, lautet die Auskunft bei der deutschen Zentrale des Nassrasierer-Herstellers in Solingen. Gleiches bei einem aushäusigen PR-Unternehmen in Köln: »Unser Kunde zieht es vor, derzeit lieber nicht mit Vertretern der Presse zu sprechen.« Auch beim amerikanischen Mutterkonzern Energizer Holdings in St. Louis werden mündliche wie schriftliche Kontaktversuche entschieden abgewehrt. Ein Besuch im Forschungslabor? Undenkbar. Ein Telefonat mit einem verantwortlichen Mitarbeiter? »Sorry, man lehnte ab.«

Beim Konkurrenten Gillette gibt es ähnliche Hindernisse. »Schwierig, sehr schwierig« sei der Besuch des Forschungszentrums im britischen Reading, heißt es hier. Nur einmal im Jahr dürften Journalisten das streng gesicherte Labor betreten. Kollegen, denen diese Ehre zuteil wurde, berichten davon, durch leer gefegte Räume geführt zu werden, aus denen alles entfernt wurde, was Aufschluss über den Stand der Forschungen geben könnte.

 

Geht es hier wirklich um Rasierklingen? Stellen die Firmen in ihren Geheimlabors in Wahrheit Waffen für die iranische Regierung her? Oder Dopingmittel für die Tour de France? Anders als bei Wilkinson kann die Pressedame von Gillette schließlich doch noch einen hochkarätigen Interviewpartner vermitteln: Kevin Powell, den langjährigen Leiter des Labors in Reading. Mit großem Elan schildert Powell, wie bei der Entwicklung von Nassrasierern hochkomplexe Präzisionsmechanik und Nanotechnologie zum Einsatz kommen, doch auf manche Fragen schweigt auch er. So darf er nicht verraten, wie viele Wissenschaftler in Reading und im zweiten Gillette-Forschungszentrum in Boston tätig sind. »Mehrere hundert«, orakelt er und fügt dann entschuldigend hinzu: »In unserem Geschäft ist Vertraulichkeit unglaublich wichtig. Wir investieren viel Geld in die Forschung und müssen verhindern, dass die Konkurrenz herausfindet, woran wir arbeiten.«

 

Viel Geld. Darum geht es. Der Blick auf den Marktführer Gillette – globaler Marktanteil bei Rasierapparaten und Klingen: rund 70 Prozent – gibt einen Eindruck von den Dimensionen der Branche. Im vergangenen Bilanzjahr hat Gillette im Rasiergeschäft einen Umsatz von 5,2 Milliarden Dollar gemacht – bei einem Gewinn vor Steuern von 1,7 Milliarden Dollar. Die Marke gilt als eine der wertvollsten in der gesamten Konsumgüterindustrie. Als der Konzern Procter & Gamble im Herbst 2005 Gillette übernahm, zahlte er einen Kaufpreis von 57 Milliarden Dollar – zwanzig Milliarden mehr, als Daimler-Benz damals für Chrysler berappte. Auch der Umsatz von Wilkinson Sword, der Nummer zwei hinter Gillette, liegt nahe der Milliardengrenze. Beide Firmen, erbitterte Konkurrenten, befinden sich seit Jahren auf Expansionskurs.

 

Hier geht es zum zweiten Teil der Geschichte auf sz-magazin.de

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