"Ich bin dankbar, dass ich hier sein konnte"

Hollywoods letzter Held erinnert sich: Kirk Douglas, 91 Jahre, im Gespräch mit Peter Bogdanovich
philipp-mattheis

Peter Bogdanovich: Ihre Autobiografie trägt den Titel Der Sohn des Lumpensammlers. Das ist ein sehr ungewöhnlicher Buchtitel für ein Leben in Hollywood, Kirk. Im Laufe einer Filmkarriere verliert man sich in all dem Glamour. Doch wer bin ich? Wo komme ich her? Wo will ich hin? Um genau diese Fragen zu beantworten, habe ich The Ragman's Son geschrieben, und schon der Verleger fragte mich: »Wollen Sie es wirklich so nennen?« Ich antwortete: »Ja, denn das bin ich nun mal.«

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Illustration: Julia Schubert

Es ist ein guter Titel. Er stammt von Anne. Sie haben auch noch andere Bücher geschrieben, für einen Schauspieler sehr viele. In meinem Buch Climbing the Mountain gebe ich der Jugend einen Rat: Nur nicht zu religiös werden. Meine beiden Ehefrauen waren ja keine Jüdinnen. Im jüdischen Glauben sind Kinder Juden, wenn die Mutter Jüdin ist - denn die alten, schlauen Juden wussten, die Mutter ist eine sichere Bank, aber beim Vater weiß man das nicht so genau. Es ist ein glücklicher Zufall, dass meine beiden Frauen nicht im formellen Sinn religiös waren. Ich sagte meinen Söhnen, als sie heranwuchsen: »Passt mal auf - egal, welche Religion euch gefällt, mir ist alles recht. Aber hoffentlich macht euch das, was ihr darin entdeckt, zu besseren und mitfühlenden Menschen.« Ein Herz für andere Menschen zu haben - darum geht es. In dem Buch, das ich nach meinem Schlaganfall geschrieben habe, Ein Fall von Glück, erzählte ich, wie einem der Humor über den Berg hilft. Ich hatte damals eine Phase, in der ich an Selbstmord dachte. Man bekommt Depressionen, wenn man sich zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Also bewahrt man sich ein klein wenig Humor und denkt stattdessen an andere. Das heilt dann die Depression. Sie haben ganz bestimmt eine Menge Humor. Das hoffe ich. Von Mel Brooks stammt ein wunderschöner Satz: »Ich weiß, was Humor ist, ich bin schließlich Jude. Wenn ein Jude nicht lacht, muss er weinen.« Meine Frau half mir auch sehr, denn sie sagte ab und zu: »Los, Kirk, hiev deinen Arsch aus dem Bett und übe mit deinem Sprachtherapeuten.« Das mache ich noch heute. Mehr von Kirk Douglas gibt es im aktuellen SZ-Magazin

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