Im Angesicht des Todes - als Patient bei Karadzic

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Von Nick Medic Meine Mutter arbeitet bei einer Import-Export-Firma in Belgrad. Sie interessiert sich sehr für alternative Medizin – New Age, Spiritualität und so weiter. Vor ungefähr zwei, drei Jahren stellten ihr Freunde einen hochinteressanten Mann vor. Es hieß, er sei gerade aus Amerika zurückgekommen, wo er als Psychiater gearbeitet habe, und er kenne sich mit New-Age-Behandlungen aus. Bald darauf rief sie mich in London an, wo ich lebe. Sie sagte, er sehe ziemlich exzentrisch aus mit seinen langen Haaren und dem langen Bart. Sie schwärmte von diesem Mann, einem gewissen Dragan Babic, genannt Dr. David, und sagte, ich müsse ihn unbedingt auch mal kennenlernen.

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Illustration: Julia Schubert

Als ich das nächste Mal in Belgrad war, vor zwei Jahren, kam ich in das Büro meiner Mutter – und da saß er prompt. Ich fand, er sah aus wie ein Alt-Hippie. Ich habe nicht viel übrig für alternative Medizin, aber wir plauderten ein bisschen über Energie-Behandlung oder so was. Er beeindruckte mich nicht besonders, aber ich fand ihn auch nicht unangenehm. Merkwürdig erscheint mir im Rückblick nur, dass es an ihm so gar nichts gab, woran man sich festhalten konnte. Selbst wenn man ihm direkt in die Augen sah – da entstand keine wirkliche Nähe. Und abgesehen von seiner exzentrischen Erscheinung gab es nichts Bemerkenswertes an diesem Mann. Meine Mutter jedoch besuchte ihn regelmäßig. Er veranstaltete »bio-energetische« Seminare, da ging es um Heilung durch Handauflegen. Solche Wunderheiler gibt es ja überall. Anscheinend war er aber richtig gut. Meine Mutter schwärmte oft, er sei »so ein tiefgründiger Mensch«. Sie schwor, er habe einem autistischen Kind geholfen, in Kontakt zu anderen Kindern zu treten. Und mein Vater sagte, wenn der Mann einem eine Massage gebe, könne man fühlen, was für eine Hitze er mit seinen Händen erzeugt. So viel zur Kraft der Suggestion. Hier kannst du lesen, wie es weiterging.

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