Kann es sein, dass Frauen wirklich keinen Humor haben? Eine Reportage

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Von: Barbara Nolte; Bild: dpa Es passiert drei-, viermal in der Woche, dass aus Harald Schmidt eine Frau spricht. Neulich ließ sie ihn zum Beispiel zur RAF-Debatte sagen: »Mohnhaupt, Klar – soll man sie freilassen? Wie wär’s mit einem Kompromiss: Man bemüht sich, sie freizulassen – beauftragt aber Außenminister Frank-Walter Steinmeier damit.« Die Frau hinter Schmidt heißt Caroline Hafner, sie ist freie Gagschreiberin und arbeitet von ihrer Wohnung in Köln-Rodenkirchen aus. Um halb zwölf bekommt sie die Themen per E-Mail, mit denen der erste Teil der Sendung, der sogenannte Stand-up-Part, bestritten werden soll. Drei Stunden später schickt sie eine Seite Gags zurück. Meist erfährt sie erst aus dem Fernsehen, ob Harald Schmidt ihre Witze gefallen haben oder nicht. Oder vom Kontoauszug. Für jeden gesendeten Gag gibt es 105 Euro. Erst an dieser äußersten Peripherie trifft man bei Deutschlands immer noch bester Comedyshow eine Frau. Die Presse, die Produktion und den Internetauftritt, das erledigen auch in Schmidts Firma Bonito die Frauen. Doch die kreativen Mitarbeiter sind allesamt männlich. Das ist nicht anders bei der Kabarettsendung Scheibenwischer, dem Streiflicht der Süddeutschen Zeitung und dem Satiremagazin Titanic. »Wir zerbrechen uns seit der Gründung der Titanic den Kopf, wie das kommt«, sagt Chefredakteur Thomas Gsella. Eine Redakteurin hatte die Titanic mal: Simone Borowiak. Der Titanic-Kollege Robert Gernhardt nahm sie – übrigens als eine von nur fünf Frauen – in seine Anthologie des deutschen Humors auf und schrieb begeistert: »Sollte es ein schlecht unterrichteter Mann noch wagen, der deutschen Frau die Komikfähigkeit abzusprechen, so muss er mit der tödlichen Fangfrage rechnen: Habt ihr einen wie Borowiak aufzubieten?« Simone Borowiak lebt mittlerweile als Simon Borowiak in Hamburg, sie fühlte sich immer als Mann im falschen Körper. Und so verfängt sich Gernhardts »Fangfrage« im alten Vorurteil: Sind Frauen womöglich doch weniger komisch als Männer? Sind sie vielleicht nur im Privaten lustig oder nur, wenn sie unter sich sind? Oder etwa gar nicht? – Eine Suche nach dem weiblichen Humor. Hier geht es weiter zum zweiten Teil auf sz-magazin.de

  • teilen
  • schließen