Kurt Beck: "Ich hätte für mein Leben gern Jura studiert"

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Von: Hans Werner Kilz (Interview) 

Hans Werner Kilz: August Bebel, der Parteigründer, hat die SPD einst gegen linke Radikalisten verteidigt. Willy Brandt später auch. Sie sind, zumindest was die Linksabgrenzung angeht, der umstrittenste SPD-Vorsitzende.

Kurt Beck: Ich habe nachgelesen, wie der Umgang der Partei und der Öffentlichkeit mit Willy Brandt war. Da bin ich wieder ganz getröstet. Er hatte zwei Wahlen verloren, man traute ihm überhaupt nichts zu. Da gab es unglaubliche Auseinandersetzungen. Er durchlitt Phasen, die fast depressiver Natur waren.

Was lesen Sie, wenn Sie sich über die SPD informieren?

Ich habe Reden gelesen, Biografien und Beschreibungen von Zeitläufen. Da gab es eine furchtbar hasserfüllte rechte Öffentlichkeit, die Willy Brandt heruntergemacht hat, auch persönlich.

Die konservative Presse verhöhnte ihn wegen seiner unehelichen Herkunft, nannte ihn auch Willy Weinbrandt, um eine angebliche Trunksucht zu thematisieren.

Elende Geschichten, die da gelaufen sind. Vielleicht ist es eine Gnade, die Menschen haben, dass sie schwierige Lebensphasen irgendwann vergessen.

Hat Brandt Sie in die SPD gelockt?

Eindeutig ja. Ich weiß, dass sich darauf viele berufen, deshalb betone ich es nicht so häufig. Mich hat die Praxis des beruflichen Lebens politisiert: die Lehre, die Gewerkschaft. Aus diesem Blickwinkel habe ich aufmerksam die 68er-Bewegung verfolgt. Ich habe damit keine direkte Berührung gehabt. Doch dieses Aufbrechenwollen hat mich begeistert.

 

Sind Sie zu Demonstrationen gegangen?

Ich habe keine Studentendemonstrationen mitgemacht. Wir haben aus der Gewerkschaftsjugend heraus eigene organisiert. Wir haben um Jugendzentren gekämpft, Protestaktionen vor Unternehmen gemacht, die keine Betriebsräte zugelassen haben. Wir kämpften für ein Berufsbildungsgesetz, ein Jugendarbeitsschutzgesetz, das gab es ja alles nicht. Das hat mich sehr politisiert. Ich war gerade von der Bundeswehr zurückgekommen, als Willy Brandt seine erste Regierungserklärung gehalten hat.

 

Auf der nächsten Seite: "Ich lese das mit einem gewissen inneren Amüsement, wie Leute mich beurteilen, die mich nicht kennen können. Da gibt es schon brillante Fernurteile." Weiter auf sz-magazin.de

 

Foto: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Klaus Benz

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