Macht doch, was ihr wollt!

Früher konnte man die jungen Leute wenigstens noch einordnen: Sie waren Hippies, Popper, Punker oder Raver. Heute fragt man sich: Warum gibt es keine großen Jugendbewegungen mehr?
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Illustration: Julia Schubert

Von: Max Fellmann (Text); Birthe Steinbeck (Collagen) 

Eigenartig. Seit Monaten reden alle von 1968, von der Energie, die damals, vor vierzig Jahren, die Jugend der halben Welt erfasste. Und auch an später erinnern sich viele gern, an Punk oder an die Popperzeiten der Achtziger. Und an Techno, die großen Raves der Neunzigerjahre, die Aufregung, die zeitweise eine ganze Altersgruppe befallen hat. Aber heute? Was ist heute? Gibt es eine große Strömung, die eine ganze Generation verbinden würde?

Es gibt einzelne große Szenen, Hip-Hop zum Beispiel (auch schon mehr als zwanzig Jahre alt), es gibt die Alternativen, schwarz gewandete Gothic-Fans, es gibt Jugendliche, die mit Neonazi-Unsinn sympathisieren. Ein paar bunte Haare hier, H&M-Shirts da, zu weite Hosen dort – aber was fehlt, ist die eine große Idee, die Mode oder Haltung, die repräsentativ wäre für das Jahrzehnt, in dem wir leben und das in zwei Jahren auch schon wieder zu Ende geht.

Der Ölkonzern Shell lässt alle paar Jahre eine umfassende Studie über die Jugend durchführen. Da wird alles ausgewertet, was die Statistiken hergeben, von Ausbildung bis Religion, von Nachtleben bis zur politischen Einstellung. Die letzte Shell-Studie ist schon etwas über ein Jahr alt, nach über 500 Seiten befinden die Fachleute darin, man habe es hier und heute mit einer »pragmatischen Generation« zu tun. Das ist ungefähr so prägnant, als würde man die Generation als »existierend« bezeichnen – aber sehr viel mehr Verbindendes scheint es nun mal nicht zu geben. Die Shell-Leute stellen fest, dass »übergreifende gesellschaftliche Reformziele oder aber Ideologien nur relativ schwache Bindungswirkung entfalten«.

Es ist mehr als 25 Jahre her, da war dem Spiegel das Thema Jugendkultur mal eine Titelseite wert. »Jugend-Stil 82« stand da, »die neue Boheme«, es ging um die aufkommende Punk- und New-Wave-Welle, »eine neue, schrille Jugend-Subkultur«, eine »aufregende Zeit für Action und Abenteuer«. Und: »Die narzisstischen Selbstdarsteller im aufblühenden Boheme-Nachtleben der Großstädte haben für Politik nur noch Verachtung übrig.«

 

Das klingt heute lustig und war damals sauber übertrieben. Die großen Jugendbewegungen der Vergangenheit waren dennoch – selbst, wenn sie nur Teile der jeweiligen Generationen umfassten – so breitenwirksam und so prägnant, dass sie zumindest im Rückblick als repräsentativ für ganze Generationen gelten können. Und heute? Heute konstatieren die Herausgeber der Shell-Studie ratlos »ein Auseinanderdriften jugendlicher Lebenswelten«. Was ist da los?

 

Ein Professor, eine Schulklasse und ein Berufsjugendlicher auf der Suche nach den Jugendbewegungen von heute: Den Rest des Textes findest du auf sz-magazin.de

 
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