Rainer Langhans über die 68er

Der Meister-Kommunarde über die 68er und ihre Wirkungen: "Das Internet ist eine Art Stimulation dessen, was wir damals schon ohne Elektronik gelebt haben"
julia-rothhaas
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Interview: Christine Zerwes; Foto: Jutta Winkelmann SZ-Magazin: Herr Langhans, Sie gelten als der Achtundsechziger schlechthin, was ist Ihnen aus dieser Zeit geblieben? Meine alte Brille, sonst eigentlich nichts. Ich habe den Weg von 68 immer weiterverfolgt, auch wenn er mich ganz woanders hingeführt hat. Wohin denn? Ich bin viel optimistischer als damals. Von den noch sichtbaren Achtundsechzigern bin ich der Einzige, der sagt: Alles ist wunderbar gelaufen, wir haben gewonnen! Wir wollten ja das richtige Leben führen, das wir damals in der Kommune begannen. Ich glaube, dass wir nicht nur kulturell gewonnen haben, sondern, dass sich die Welt durch unseren Anstoß auf der ganzen Linie weiterentwickelt hat. In welche Richtung? Die jungen Leute wissen heute: Die echte Welt ist schlecht. Deswegen haben sie einen großen Teil ihres Lebens ins Internet verlegt. Und das Internet entstammt unseren Visionen! Die Kommune hatte eine virtuelle bessere Welt aufgebaut – das heutige Internet ist eine Art Simulation dessen, was wir damals schon ohne Elektronik gelebt haben. Meinen Sie das ernst? Ja. Im Internet kann sich jeder lieben, jeder kann mit jedem zusammensein. Man braucht kein Geld, es gibt keine Gier, keinen Mangel. Die Achtundsechziger haben also erkannt, dass das wahre Glück nicht in dieser Welt zu finden ist? Nicht in der materiellen Welt, aber in der geistigen. Wir vergeistigen, virtualisieren uns. Das ist eine neue Stufe in der menschlichen Entwicklung. Viele haben damals geglaubt, dass man dazu den alten Körper verlassen muss, was uns in einigen Experimenten, etwa mit LSD, auch kurze Zeit gelungen ist. Gibt es etwas, an das Sie früher geglaubt haben und heute nicht mehr? Im Gegensatz zu früher glaube ich heute, dass ein richtiges Leben im falschen möglich ist. Früher dachte ich auch, ich könnte mit meinem Intellekt die Welt verstehen und verändern. Damit bin ich, sind wir gescheitert. Daher habe ich mich mit Frauen wie Uschi Obermaier zusammengetan. Den zweiten Teil des Interviews findest du auf sz-magazin.de. Weitere Prominente zum Thema "1968" auf sz-magazin.de.

  • teilen
  • schließen